Nachgedacht

Pause!

Den Knopf mit den beiden vertikal verlaufenden Strichen, nutzen Sie den auch manchmal so gerne? Ich mache davon Gebrauch z. B. dann, wenn ich beim Anschauen eines aufgenommenen Films einmal kurz etwas zu trinken holen möchte. Pause! Die Unterbrechung ist notwendig und dient der Entspannung. Erst wenn ich wieder aufnahmebereit bin, soll es weitergehen.
Pause! In der zu Ende gehenden Sommerzeit haben sich viele gefreut, endlich einmal auf die Pausentaste drücken und den Alltag unterbrechen zu können. Einmal all das anhalten, was im Leben ständig auf Hochtouren läuft und viel Einsatz fordert. Pause! Erst wenn ich mich wirklich erholt habe, wenn ich wieder zu Kräften gekommen bin, wenn der Akku wieder aufgeladen ist, dann wird es weiter gehen können.


Ich habe den Eindruck, dass es immer schwieriger wird, die Funktion dieser Taste wirklich zu nutzen. Allzu viel kommt immer wieder dazwischen. Durch das Verlangen nach ständiger Erreichbarkeit, von welcher Seite es auch ausgehen mag, ist mancher auch im Urlaub nicht vor den Anforderungen geschützt, die unseren Alltag bestimmen.
Schon viel zu lange prasseln tagtäglich Schreckensmeldungen auf uns ein: Krieg in der Ukraine, Corona-Pandemie, Klimawandel. Das alles hat enorme Auswirkungen auf unser Leben und stellt uns vor ganz neue, ungewohnte Aufgaben. Diese zusätzliche Belastung trifft uns dauerhaft. Und sie ist nicht einfach in die Sommerpause gegangen. Als Folge dessen wird die Pausentaste von einem Großteil der Menschen viel zu selten gedrückt. Das ist absurd und kontraproduktiv, denn gerade in der momentanen Situation brauchen wir sie erst recht, die Pausentaste im Leben. Und das nicht nur im Sommer, nicht nur bei Sonne, Strand und Meer. Nein, wir sollten sie mehr oder weniger regelmäßig drücken.

Das große Vorbild dafür ist kein geringerer als Gott selbst. Nach der größten Leistung, die man sich vorstellen kann – der Erschaffung von Himmel und Erde –, findet seine Arbeit ihre Vollendung nicht im nächsten Arbeitsschritt, sondern in der Ruhe. Im biblischen Schöpfungsbericht wird dies so beschrieben: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. (…) Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn zu einem heiligen Tag. Denn an diesem Tag ruhte Gott aus von all seinen Werken, die er geschaffen und gemacht hatte.“ (1. Mose 1,31-2,3).

Ein Ruhetag, ein Sabbattag pro Woche, ist also schon in der Schöpfung verankert. Sollte uns das nicht ein Vorbild, ja eine Verpflichtung sein? Wenn schon nicht immer sonntags, dann jedoch zumindest regelmäßig einmal wöchentlich die Pausentaste drücken und zur Ruhe kommen, entspannen. Diesen Rhythmus empfiehlt Gott uns. Pause!
Und noch etwas können wir aus diesen Sätzen aus dem Ende des Schöpfungsberichtes lernen: Es tut gut, in dieser Pause einmal sein bisheriges Werk zu betrachten, ja zu bewundern. Den Fokus nicht darauf zu legen, was alles noch gemacht werden muss, sondern darauf, was schon geschafft ist. Es tut gut, nachzudenken, sich über viele Dinge klar werden.


Zögern Sie also nicht, regelmäßig auf die Pausentaste im Leben zu drücken!


Ihre / Eure Pastorin

Heidrun Gunkel

 

Pastorin

Dr. Heidrun Gunkel