Gedanken zum Sonntag Sexagesimae

Nachricht 07. Februar 2021

Lied EG 197 Herr, öffne mir die Herzenstür

1) Herr, öffne mir die Herzenstür, zieh mein Herz durch dein Wort zu dir, lass mich dein Wort bewahren rein, lass mich dein Kind und Erbe sein.

 

Predigt

An diesem Sonntag „Sexagesimae“ beginnt die sogenannte Vorpassionszeit. Wie der Name schon sagt, sind es noch 60 Tage bis Ostern. Wir feiern heute zudem den Sonntag des Wortes Gottes.

Zu diesem Thema erzählt Jesus im 8. Kapitel des Lukasevangeliums das recht bekannte Gleichnis vom Sämann:

4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu Jesus eilten, sprach er durch ein Gleichnis: 5 Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf. 6 Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 7 Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's. 8 Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Wie so viele der im Neuen Testament überlieferten Gleichnisse Jesu stammt auch dieses Bild aus der Landwirtschaft, aus der bäuerlichen Lebenswelt, die weite Teile der damals bekannten Welt prägte. Es geht um den Vorgang des Saat-Ausstreuens und des Erfolges beim Saatertrag. Das geschilderte Verhalten des Sämannes verwundert mich. Denn derjenige, der da sät, tut dies offensichtlich mit großem Ungeschick. Er handelt nicht so, wie Landwirte üblicherweise verfahren. Er geht nicht mit den Ressourcen, also dem Saatgut, schonend oder effizient um. Ein Teil der Saat fällt auf den Weg, wo der Boden so verdichtet ist, dass die Samenkörner an der Oberfläche liegen bleiben und zu Vogelfutter werden. Ein anderer Teil der Saat fällt auf steinigen Boden und bekommt dort zu wenig Feuchtigkeit. Ein weiterer Teil wird von Unkraut und den Dornen überwuchert. Und erst der letzte Teil der Saat gelangt auf den eigentlichen Acker, wo er aufgehen und wachsen kann.

Blickt man auf die geschilderte landwirtschaftliche Tätigkeit, stellt sich als erstes die Frage: Warum stellt der Landwirt sich so ungeschickt an? Sein Vorgehen entspricht nicht dem üblichen Verhalten, dem zielgerichtetem Setzen der Saat auf guten Boden. Aber das ist eben nicht alles. Man muss schon berücksichtigen, dass der Landwirt den Grund und Boden beackern muss, den er besitzt. In den allermeisten Fällen konnte er sich seinen Acker nicht aussuchen, sondern hat ihn als Familienbesitz geerbt. Unter Umständen hat er noch Land hinzugepachtet, aber auch dabei musste er mit dem vorhandenen Angebot vorliebnehmen. Und ebenso wenig wie auf seinen Boden hat er Einfluss auf Regen, Sonne und Wind, die für das Aufgehen und Reifen des Saatgutes unerlässlich sind. Ackerbau kann mühsam sein. Und der Bauer muss das nötige Gottvertrauen aufbringen, dass der Same die erhoffte Frucht bringt. Denn eine gute Ernte ist auch von Faktoren abhängig, die der Bauer nicht in der Hand hat.

Jesus vergleicht die Tätigkeit dieses Sämanns mit der Verbreitung des Wortes Gottes. Kann ein geschickterer Sämann den Acker sicher besser einschätzen als der Sämann in unserem Gleichnis, so ist das bei der Verbreitung von Gottes Wort doch anders. Auch diese ist gleichsam eine Form mühsamen Ackerbaus. Denn keiner weiß, wie der Boden beschaffen ist, auf den Gottes Wort fällt, und niemand kann vorhersehen, ob all das Bemühen von Erfolg gekrönt sein wird. Das war schon bei Jesus so. Wie oft hat er beklagt, dass seinen Worten nicht geglaubt wurde und erst seine Wundertaten viele zum Glauben führten? Und war dieser Unglaube nicht durch all die Jahrhunderte, in denen Menschen in der Nachfolge Jesu dessen Wort weitergesagt haben, ebenfalls zu beobachten? Wie oft geschieht es, dass das Evangelium zwar gehört wird, doch das Herz der Hörer nicht dauerhaft erreicht?

Das geschieht immer wieder, geschieht auf vielfältige Weise: Weil das Herz verhärtet ist, kann die frohe Botschaft keine Wurzeln schlagen und die Hoffnung nicht Fuß fassen. Das sind die Samen, die auf den Weg fallen. Oder aber einige Menschen nehmen die Botschaft freudig auf, verlieren sie jedoch bei den ersten Schwierigkeiten wieder aus den Augen. Das sind die Samen, die auf felsigen Boden fallen und verdorren. Oder es zeigt sich: Die vermeintlichen menschlichen Errungenschaften in dieser Welt wiegen viele in trügerischer Sicherheit, sodass sie die einzig wahre Hoffnung, die in Jesu Botschaft steckt, aus dem Blick verlieren. Das sind die Samen, die unter die Dornen fallen.

Ein hartes Herz, Sorgen und Ängste, mangelndes Durchhaltevermögen, scheinbare Sicherheiten – all das erstickt die Hoffnung, die Gottes Wort uns bringt.

Das führt unweigerlich zu der Frage: Wo sehe ich mich eigentlich in diesem Gleichnis? Zu welcher Gruppe von Hörenden gehöre ich wohl? Wie schnell möchte man sich selbst der letzten Gruppe zuordnen, ohne Wenn und Aber: „Bei mir ist das Wort Gottes ja ganz offensichtlich auf einen guten Boden gefallen, sonst wäre ich jetzt ja nicht hier.“ Auf den zweiten Blick lohnt es sich jedoch, nachzudenken und Selbstkritik zu üben: Habe ich nicht viel zu selten gemerkt, wie mir das Wort Gottes entglitt? Wie oft hatte ich zu wenig Ausdauer und Geduld, wie oft waren mir andere Dinge wichtiger? Wie oft habe ich mich von Unsicherheit, von Furcht und Angst und nicht vom Wort Gottes leiten lassen? Der zweite Blick zeigt, dass ich mich selbst oftmals dem Weg, dem steinigen Boden oder dem Dornengestrüpp zuordnen muss und mich nur selten als ein guter Acker erwiesen habe.

Wenn ich das nun schon von mir selbst feststelle, welche Folgen hat diese Erkenntnis für uns Christen? Stellt die Erkenntnis denn nicht die Aufgaben von Gemeinde und Kirche in Frage?

Ist also alles Mühen um das Wort Gottes vergeblich? Sind wir nicht zum Scheitern verurteilt? Können wir wirklich erwarten, dass unserem Bemühen, den Glauben weiter zu geben, Erfolg beschieden sein wird?

Oder kann und sollte man – so wie der Sämann – nicht sagen: Vielleicht kommt doch etwas Gutes dabei heraus?

Anders als der Landwirt, der mit seinen Ressourcen sorgsam umgehen muss, verteilt Gott sein Wort so reichlich und überschwänglich, wie es nur möglich ist. Er sät den Samen des Reiches Gottes großzügig aus. Und das bedeutet auch, dass diejenigen, die das Wort weitergeben sollen, aus dem Vollen schöpfen können. Der Fokus muss nicht auf dem möglichen Verlust eines Teiles des Saatgutes liegen.

Wichtig bei all dem Gesagten ist ein Blick auf das Ende des Gleichnisses: So endet die Erzählung mit der Frucht, die hundertfach wächst. Diese Frucht, die aus der Aussaat erwächst, überwiegt bei weitem den Verlust. Die Saat geht auf und wächst. Ein hoffnungsvolles Bild! Aus dem guten Boden, dem Boden der Hoffnung, wächst Frucht. Diesen Boden der Hoffnung gibt es überall. In jedem Leben, in jedem Herzen, auch wenn es manchmal nur eine winzig kleine Ecke ist. Das Korn, das auf guten Boden fällt, bringt Frucht. Die Hoffnung vermehrt sich.

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Amen

 

Lied EG 196 Herr, für Dein Wort sei hoch gepreist

1) Herr, für dein Wort sei hoch gepreist; lass uns dabei verbleiben und gib uns deinen Heilgen Geist, dass wir dem Worte glauben, dasselb annehmen jederzeit mit Sanftmut, Ehre, Lieb und Freud als Gottes, nicht der Menschen.

2) Öffn uns die Ohren und das Herz, dass wir das Wort recht fassen, in Lieb und Leid, in Freud und Schmerz es aus der Acht nicht lassen; dass wir nicht Hörer nur allein des Wortes, sondern Täter sein, Frucht hundertfältig bringen.

3) Am Weg der Same wird sofort vom Teufel hingenommen; in Fels und Steinen kann das Wort die Wurzel nicht bekommen; der Same, der in Dornen fällt, von Sorg und Lüsten dieser Welt verdirbet und ersticket.

4) Ach hilf, Herr, dass wir werden gleich dem guten, fruchtbarn Lande und sein an guten Werken reich in unserm Amt und Stande, viel Früchte bringen in Geduld, bewahren deine Lehr und Huld in feinem, gutem Herzen.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

Ihre Pastorin Heidrun Gunkel

Pastorin

Dr. Heidrun Gunkel
Luisenstraße 11
31224 Peine
Tel.: 05171 – 80244451