Nachgedacht

In-Gott-Sein

Vor einigen Jahren hielt ich ein Meditations- buch in der Hand. Kaufen oder nicht kaufen? Ein Satz, den ich darin las, gab den Ausschlag, das Buch zu erwerben. Er lautete: „Was bedeutet mir der Schiffbruch, wenn Gott der Ozean ist?“ 
Darüber lässt sich nachsinnen. Ich empfinde den Satz als tröstlich. Auch wenn Menschen den Eindruck haben, dass ihr Leben versinke, es geht doch nicht unter. Es kann nicht untergehen. Es ist und bleibt umfangen von Gott. Aber nicht nur mit bitteren oder schmerzlichen Erfahrungen, die wir als „Schiffbruch“ beschreiben könnten, sondern das gilt grundsätzlich, also auch mit allem, was uns zufrieden, fröhlich, glücklich, dankbar sein lässt. 
In Gott sprechen „Schiffbruch- Erfahrungen“, so rätselhaft, dunkel und unerklärlich sie sein können, immer nur ein vorletztes Wort; das letzte Wort spricht, dass unser Leben einfließt, einmündet, übergeht in ein ewiges Heilsein, in eine andere, neue Dimension des Lebens. 
Ich verbinde jenen Satz aus dem Meditationsbuch immer wieder mit Worten aus der Apostelgeschichte des Lukas. Da sagt der Apostel Paulus anlässlich eines Besuchs in Athen von Gott: „Fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ (Apg. 17,27f.) 
Wir können aus Gott nicht herausfallen; er ist um uns und in uns. Wenn ich mir das gedanklich und im Gebet vergegenwärtige, tröstet das nicht nur, sondern löst auch Gelassenheit und Freude aus. 
Paulus spricht da in der Apostelgeschichte nicht von irgendeinem Gott, sondern vom Gott Israels, der sich, unterstrichen in Jesus, aus Liebe und für immer mit uns verbindet. Auch Jesus kannte „Schiffbruch- Erfahrungen“; wir erinnern an sein Leiden und an seinen Tod in der Passionszeit. 
Aber diese Erfahrungen sprechen eben nicht das letzte Wort. Das spricht Gott mit Ostern, mit der Auferweckung Jesu. Sie ist Gestaltwechsel des Lebens von der irdischen in die ewige, himmlische Dimension hinein; sie bringt mit sich den Triumph des Lebens in Ewigkeit. Und sie ist stärkster Impuls, dass wir schon hier und jetzt mit unseren Worten und Taten dem Leben guttun, heilsam und wohltuend wirken. Verbunden sind Zeit und Ewigkeit in Gott, dessen Herz für uns schlägt. „Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ (Apg. 17,28)

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Volker Menke

Superindendent

Dr. Volker Menke