Nachgedacht

Liebe Leserin, lieber Leser,

so manches wird in diesem Jahr anders sein. Weihnachtsmärkte finden, wenn überhaupt, nur unter besonderen Vorkehrungen statt. Feiern in Firmen und Vereinen entfallen, der familiäre Kreis wird in diesem Jahr vielleicht kleiner ausfallen. Sorgen um die Zukunft des Arbeitsplatzes bedrücken so manche. Bei aller Ungewohntheit, Sorge und Trauer – dieses Jahr bietet auch die Chance, die Advents- und Weihnachtszeit einmal anders zu begehen.

Ich wünsche mir, dass wir irgendwann an die Corona-Weihnacht 2020 zurückdenken und uns erinnern an:

... den vergleichsweise ruhigen Dezember, in dem wir viele Abende für uns hatten. Endlich hatten wir Zeit, ein gutes Buch zu lesen, die Modelleisenbahn aufzubauen oder die Lieblingsserie in einem Stück zu sehen.

.... die Dinge, die wir seit Jahren schon einmal machen wollten, aber zu denen wir bis zu diesem Jahr nie gekommen sind: einen Adventskranz aufstellen und an jedem Sonntag eine Kerze entzünden, Plätzchen backen (auch für uns selbst), die Wohnung schmücken, unseren eigenen Glühwein oder Punsch kochen.

.... die Advents- und Weihnachtszeit, in der wir anderen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken konnten. Vielleicht gibt es dieses Jahr zwar kein großes Klassentreffen in der Kneipe des Heimatdorfes, aber Zeit für intensive Telefongespräche in den Wochen zuvor.

.... die Weihnachtszeit, in der es zwar keine großen Konzerte oder weihnachtliche Mitsingveranstaltungen gab, aber in der wir unsere eigene Stimme im Wohnzimmer oder unter der Dusche wiederentdeckt haben. Ob „Last Christmas“ oder „Stille Nacht“, singen macht glücklich!

... das kurze, persönliche Gespräch mit der Chefin oder dem Chef, die zwar nicht zur alljährlichen Betriebsweihnachtsfeier einladen konnten, aber sich wertschätzend und herzlich für den Einsatz in diesem ungewöhnlichen Jahr bedankt haben.

.... den 23. Dezember, den wir nicht in überfüllten Zügen, Flugzeugen oder im Stau auf der Autobahn verbracht haben. Stattdessen: ein Spaziergang im Wald. Vielleicht ist es für manche sogar das erste Weihnachtsfest in Peine?

... den Heiligabend, an dem die Szene unter dem Tannenbaum nicht an das Warenlager eines großen Kaufhauses erinnerte, aber an dem wir uns Zeit für lange, gute Gespräche genommen haben und wirklich füreinander da waren. Die Kinder erinnern sich an das gemeinsame Spiel mit den Eltern. Die Erwachsenen denken daran zurück, wie viel Tee und Kaffee sie füreinander gekocht haben.

.... die Weihnachtstage, an denen wir uns nicht alle sehen und in den Arm nehmen konnten, an denen aber viele handgeschriebene Karten im Briefkasten lagen. Liebevoll ausgesucht oder gebastelt und mit einem persönlichen Text versehen sind sie wie eine Umarmung auf Papier.

.... die ungewöhnlichen Umstände, die es brauchte, um alte, schwierige Traditionen und Verpflichtungen endlich hinter uns zu lassen.

.... die Zeit, die wir für das Wesentliche hatten: Gott ist ein Säugling geworden. Gott ist Mensch geworden. Gott möchte uns nahe sein, um uns zu zeigen, dass er uns unendlich liebt – jeden und jede Einzelne von uns. Das können wir uns immer wieder sagen lassen: in den Gottesdiensten vor Ort und digital, durch Musik oder an einem ruhigen Abend zu Hause, wenn wir die Bibel aufschlagen (die Weihnachtsgeschichte steht am Anfang des Lukas- und des Matthäusevangeliums im Neuen Testament).

In diesem Sinne: Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!

Ihre/Eure Pastorin

Pastorin

Beate Lenz
Tel.: 05171 - 59 02 43