Ostern

Nachricht 12. April 2020
Foto: privat

Pedigtgedanken: An Ostern kommt das Licht in die Dunkelheit
von Pastorin Dr. Heidrun Gunkel

Es ist noch dunkel, als ich mich auf den Weg zur Kirche mache. Die letzten Tage haben an mir gezerrt. So vieles war in den Gottesdiensten an Gründonnerstag und Karfreitag wahrzunehmen: Freundschaft, Liebe, Treue, Verrat, Schmerz und Traurigkeit. Alles dabei. Und zuletzt war der Altar leer, das Kreuz schwarz behangen, die Kerzen erloschen. Trostlosigkeit und Erschrecken. Warum? Wie soll es weitergehen? Gibt es Hoffnung?

Müde schleiche ich in die noch dunkle Kirche, sage leise „Guten Morgen“, erhalte eine Kerze und einen Liederzettel, suche mir einen Platz in den Bänken. Viele sind gekommen. Unmöglich, im Dunkeln einander zu erkennen.

Der Gottesdienst beginnt. Zunächst werden drei Texte aus dem Alten Testament gelesen. Wir hören, wie Gott die Welt geschaffen hat, sollen wir doch nicht vergessen, woher wir kommen (1. Mose 1,1-5.26-28.31). Wir hören, wie Gott das Volk Israel in der Passahnacht aus der Knechtschaft befreit hat (2. Mose 12,1.3.6-7.11-14). Wir hören, was Gott für die Zukunft verheißt, damit wir nicht vergessen, worauf wir uns freuen können (Mi 4,1-5).

Und nun ist es soweit. Die Osterbotschaft ertönt: „Christus ist siegreich auferstanden vom Tod. Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen.“

Daraufhin wird die Osterkerze entzündet und nach vorne getragen. Sie weist mit ihrem Licht auf Christus. Aus dem Dunkel des Todes hat Gott ihn ans Licht und zu neuem Leben gebracht. Die brennende Kerze erhellt die Dunkelheit, so wie Christus auch unser Leben hell machen will.

Und dann kommt der Moment, den ich stets am eindrücklichsten finde: Die Osterkerze ist an ihrem Platz im Altarraum angekommen. Von ihrer Flamme aus wird das Licht weitergegeben. Von Kerze zu Kerze. Von Gottesdienstbesucher zu Gottesdienstbesucher. Heller und heller wird es in der Kirche auf diese Weise. Gleichzeitig strahlt das erste Sonnenlicht zaghaft in die Kirche. Das auferstandene Leben unseres Herrn Jesus Christus strahlt auf, es legt sich über uns wie die Sonne am Ostermorgen.

Schließlich wird das Oster-Evangelium (Mt 28,1-10) verlesen und wir grüßen uns mit den Worten: „Der Herr ist auferstanden!“ „Er ist wahrhaftig auferstanden!“

So wird für mich Ostern! Wenn das Licht in all die Dunkelheit kommt, wenn es auch in die Dunkelheit meines Lebens und meines momentanen Alltags kommt. In Jesus Christus ist auch mir neues Leben geschenkt.

Die letzten Wochen haben an uns allen gezerrt. Die Corona-Pandemie und die ihrer Bekämpfung dienenden Einschränkungen haben uns und unsere Welt auf den Kopf gestellt. Unsicherheit herrscht. Wir machen uns Sorgen um unsere Angehörigen. Wir haben Angst vor einer Infektion. Wir sind der ganzen Maßnahmen überdrüssig. Warum? Wie soll es weitergehen? Gibt es Hoffnung?

Das Licht von Ostern kommt zu uns, damit auch wir auferstehen aus den Gräbern unserer Hoffnungslosigkeit. Und damit es in unseren Herzen hell wird, wo Finsternis und Dunkelheit vorherrschen.

Vieles wird in diesem Jahr an Ostern nicht möglich sein, eines aber wird nicht beschränkt: Das Licht der Osterkerze wird wie immer für uns brennen. Ohne jede Einschränkung. Auch wenn wir nicht wie üblich einen Ostergottesdienst feiern können, unsere neue Osterkerze werden wir am Ostersonntag in der St.-Jakobi-Kirche entzünden. Seien Sie gewiss: Dieses Licht von Jesus Christus scheint auch für Sie und es möchte bis zu Ihnen nach Hause leuchten.

Und jeder kann zuhause Ostern erleben, denn wir können das Oster-Licht auch zuhause brennen lassen!

Amen.

Gottesdienst feiern: Ostern zuhause erleben

Ich lade Sie ein, alleine oder mit den anderen bei Ihnen zuhause Ihren eigenen Ostergottesdienst zu feiern.

Hier ein Vorschlag:

Legen Sie Bibel, Kerze(n), Stein(e) bereit.

Lesen Sie die Texte aus dem Alten Testament und anschließend das Oster-Evangelium (Bibelstellen sind in der Andacht oben angegeben).

Zünden Sie eine Kerze an.

Nehmen Sie einen Stein in die Hand, denken Sie an Ihre Sorgen oder daran, was Sie gerade beschäftigt. Legen Sie den Stein dann zu der Kerze und lassen Sie ihn von ihrem Licht bescheinen.

Dann können Sie folgende Worte sprechen:

Jesus Christus spricht: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ In seinem Lichte können wir Leben gestalten und wollen in einer dunklen Welt sein Licht leuchten lassen.

Geben Sie das Licht ggf. an andere Kerzen weiter.

Wenn Sie möchten, grüßen Sie einander, oder die, die Sie heute sprechen, mit dem Ostergruß: „Der Herr ist auferstanden!“ „Er ist wahrhaftig auferstanden!“