Sommerkirche auf dem Alten Friedhof

Nachricht 19. Juli 2020

Gedanken zur Sommerkirche
„Mobil und bewegt in einer Welt“, 19.07.2020

Wer von Ihnen hat einen Schutzengel oder einen anderweitigen Glücksbringer im Auto angebracht? Oder wer hat so etwas vielleicht am Fahrrad oder an einem anderen Gefährt?

Es gibt solche Schutzengel ja in allen möglichen Ausführungen, angefangen vom kleinen Silberengel, mit Lenkrad oder im Auto sitzend, bis hin zu Teddys mit Flügeln. Ein kleiner, dezenter Silberengel ist auch am Rückspiegel meines Autos befestigt. Und an meinem Fahrrad klemmt eine Plakette mit Christophorus, dem Schutzpatron der Reisenden. Meine Großmutter hat sie mir einmal geschenkt. Wenn man sich in das Verkehrsgetümmel stürzt, im Berufsverkehr einer Großstadt oder auch auf der Auto-Bahn unterwegs ist, dann kann man leicht erkennen, wie vielseitig dieser Brauch der glückbringenden Begleiter auf Reisen ist. Aber warum ist das eigentlich so, dass Menschen ihre Autos, Fahrräder, Schiffe oder sonstigen Fahrzeuge mit Segenswünschen wie „Dein Schutzengel sei immer an deiner Seite“ oder mit den solchen Symbolfiguren schmücken?

Nun, ich denke, es liegt vor allem an dem Wissen, dass jedes Unterwegs-Sein mit einem Risiko verbunden ist. Dass so mancher, der eine Reise unternommen hat, nicht heile wieder zurückgekommen ist, nicht gesund und munter oder sogar gar nicht. Nehmen wir zum Beispiel nur mal das Autofahren – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber doch mit einem gewissen Unfallrisiko. Dabei muss man gar nicht unbedingt durch einen eigenen Fehler an einem Unfall beteiligt sein, sondern kann auch durch einen Fehler anderer gefährdet werden.

Wer aber kann und will ohne die heutigen vielseitigen Transportmittel auskommen. Sie eröffnen uns doch so viele Möglichkeiten. Innerhalb kürzester Zeit können wir an einen weit entfernten Ort gelangen. Die Fortbewegungsmittel werden ständig optimiert. „Schneller, höher, weiter“ lautet das Motto. Noch nie war es so leicht, fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen. Noch nie waren wir so mobil in dieser Welt. Und das können und sollen wir auch nutzen. Und uns freuen, den Reichtum fremder Länder hautnah zu erleben. Und dabei andere Menschen kennenlernen, Grenzen überwinden, Brücken bauen, die Zusammenhänge und gegenseitige Abhängigkeiten in dieser unseren einen Welt erkennen.

Und wir können dabei auch erleben, dass unser christlicher Glaube uns überall auf der Welt mit Menschen verbindet. Es ist spannend und lehrreich, zu beobachten, wie dieser Glaube an anderen Orten seine Entfaltung findet.

Aber: Das Ganze hat auch durchaus seine Schattenseite. Denn die Möglichkeit, in der globalisierten Welt so überaus mobil unterwegs zu sein, kann auch schnell zum Zwang werden. Nicht wenige Arbeitgeber setzen voraus, dass ihre Beschäftigten eine Verlegung ihres Arbeitsplatzes ohne Wenn und Aber akzeptieren, ihr gewohntes Umfeld, ihre sozialen Beziehungen aufgeben.

Eine weitere Schwierigkeit erleben wir seit einigen Monaten. Durch unkontrollierbare Mobilität werden Krankheiten verbreitet und sind kaum aufzuhalten. Die natürliche Quarantäne, die sich durch geringe Geschwindigkeiten und darauf zurückzuführende lange Reisezeiten über Jahrtausende hinweg ergab, ist entfallen.

Allerdings spielen nicht nur diese neuartigen Probleme der nahezu unbegrenzten Mobilität beim Reisen eine Rolle. Reisen haben schon immer ihre typischen Bedingungen, zu denen auch manche Unsicherheit zählt. Das können wir zu der Schiffsreise des Paulus z.B. in Apg 27 nachlesen. Die Erlebnisse des Paulus zeigen: Das Gelingen einer Reise hängt von vielem ab: Manches hat man selbst in der Hand, wie z.B. den zielführenden Umgang mit dem Transportmittel, die korrekte Steuerung. Auf andere Umstände, wie z.B. die Wetterbedingungen, haben wir keinen Einfluss. Ohne Wind ist das Schiff mit Paulus an Bord nicht vorangekommen.

Auch Umwege gehören beim Unterwegs-Sein dazu: Unverhofft ist eine Straße gesperrt und wir müssen umkehren und eine Umleitung suchen. Man weiß nie, was einen erwartet: Hinter der nächsten Biegung, in einer fremden Stadt, in einem Land, das man zum ersten Mal besucht. Beim Unterwegs-Sein müssen wir stets mit Veränderungen rechnen. Selbst in dem Urlaubsort, an den wir nun schon zum x-ten Mal reisen und den wir doch so gut kennen, kann in diesem Sommer etwas Vertrautes fehlen. Zudem sind wir nicht immer mit allen zusammen unterwegs. Oft ist es ein kleines Wegstück, das man zusammen geht und dann trennen sich die Wege in verschiedene Richtungen.

Wenn wir uns das alles bewusst machen, dann wird schnell klar, dass es gut ist, auf Reisen nicht auf sich allein gestellt zu sein. Sondern all die Unwägbarkeiten abgeben zu können und sie einem anzuvertrauen, der seine Begleitung zugesagt hat. Wenn ich mich von Gott behütet weiß, brauch ich keine Angst mehr zu haben. Paulus hat uns das auf seiner von Schiffbruch geprägten Reise vorgemacht. Er vertraute darauf, was der Engel ihm verheißen hat. Auch er hatte also in gewisser Weise seinen Engel mit dabei auf seiner Reise, auf seiner Fahrt mit einem Segelschiff.

An dem Ort, an dem wir die Sommerkirche feiern, auf dem Alten Friedhof, da werden wir daran erinnert, dass unser ganzes Leben eine Reise ist. Auf den Friedhöfen finden sich die „letzten Ruhestätten“, wie die Gräber genannt werden. Für die Reise unseres irdischen Lebens gilt all das, was bisher über Reisen gesagt wurde. Das heißt: Auch die Reise unseres Lebens können wir einem Größeren anvertrauen. Einem, der uns bei jedem Umweg und jeder Ungewissheit zur Seite stehen will. Der uns durch Veränderungen hindurch hilft und uns immer wieder gute Kameraden als Weggefährten an die Seite stellt.

Also: Wohin brechen Sie auf? In diesem Sommer? In ihrem Leben?

Was auch immer Sie an Reisen vorhaben: Nehmen Sie Gottes Segen mit auf diese Reisen. Gottes Segen, der beim Unterwegs-Sein Schutz und Schirm sein will. Und der sie begleiten will, was auch kommen mag.

Amen

 

 

Psalmgebet (zu Psalm 139)

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. 3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. 4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest. 5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. 6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

Treuer Gott, wir sind unterwegs, unterwegs durch diesen Sommer. Es ist ein besonderer Sommer, weil Einschränkungen, Abstand und Masken-Tragen auch diese eigentlich unbeschwerte Zeit prägen. Wir sehnen uns nach einer Zeit ohne diese Maßnahmen. Wir bitten dich um deine Begleitung, guter Gott!

7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? 8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. 9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, 10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. 11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, 12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

Treuer Gott, wir sind unterwegs, unterwegs auf vielen verschiedenen Reisen. Große Fahrten und kleine Wege legen wir zurück. Wir möchten viel Interessantes und Faszinierendes sehen von der einen Welt. Wir bitten dich um deine Begleitung, guter Gott!

13 Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. 14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. 5 Es war dir mein Gebein nicht verborgen, da ich im Verborgenen gemacht wurde, da ich gebildet wurde unten in der Erde. 16 Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

Treuer Gott, wir sind unterwegs, unterwegs auf der Reise unseres Lebens. In jedem Jahr und an jedem Tag haben wir schon so viel erlebt. Wir freuen uns auf das, was das Leben für uns bereithält. Wir bitten dich um deine Begleitung, guter Gott!

23 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. 24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Wir danken dir, guter Gott, dass du uns begleitest, wenn wir unterwegs sind durch diesen Sommer, auf vielen verschiedenen Reisen, auf der Reise unseres Lebens. Mit dir können wir aufbrechen und unsere Wege gehen. Darum wollen wir fröhlich sein und dich, treuer Gott, loben und preisen. Heute, morgen und alle Zeit. Amen.

 

Bleiben Sie behütet und gesund!
Ihre Pastorin Heidrun Gunkel

Pastorin

Dr. Heidrun Gunkel
Luisenstraße 11
31224 Peine
Tel.: 05171 – 80244451