Gedanken zum Sonntag Okuli

Nachricht 07. März 2021

„Wandelt als Kinder des Lichts!“ – das ist die zentrale Aussage des Predigttextes für diesen 3. Sonntag der Passionszeit. Er stammt aus dem 5. Kapitel des Epheserbriefes und lautet:

1 So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder 2 und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

„Wandelt als Kinder des Lichts!“ – Was wohl der Verfasser des Epheserbriefes, der im Namen des Apostels Paulus schreibt, mit dieser Aussage meinte?

Betrachten wir zunächst den Begriff „Licht“: Licht ist ein großes Thema für uns Menschen. Wir verdanken den Großteil der Informationen über unsere Umwelt dem Sehsinn. Gut sehen können wir nur, wenn es ausreichend hell ist. Wir halten uns nicht gern in Dunkelheit und Finsternis auf, denn dort sind uns viele andere Lebewesen überlegen. Das Licht nimmt uns den Schrecken, schenkt uns Orientierung und Geborgenheit. Ich denke an die Sonne, die den Tag freundlich erscheinen lässt. Oder an eine Kerze, die Wärme ausstrahlt und eine besondere Atmosphäre schafft.

„Wandelt als Kinder des Lichts!“

Und was müssen wir uns unter dem Begriff „wandeln“ vorstellen? In unserem täglichen Sprachgebrauch findet dieses Wort nur selten Verwendung, in dem kurzen Predigttext hingegen gleich zweimal: „Wandelt als Kinder des Lichts!“ und „Wandelt in der Liebe“. Dabei wird im Zusammenhang mit der letztgenannten Aufforderung eine Begründung geliefert, die lautet: denn ihr seid geliebte Kinder Gottes. Was für ein Lichtblick! Wir, d.h. du, Sie und ich, wir alle werden von Gott geliebt. Und zwar ohne Vorbedingung. So schaut Gott uns an. Mit liebenden Augen. Der Auftrag „wandelt“ enthält daher weniger einen Leistungsanspruch als einen Hinweis darauf, was mich trägt. Und genau diese Tatsache liefert die Begründung für den Auftrag, zu Nachahmern Gottes zu werden. In der griechischen Sprache, in der der Epheserbrief geschrieben wurde, klingt das Wort für „Nachahmer“ so schön lautmalerisch: Wir sollen „μιμηταὶ (gesprochen: mimetai)“ sein. Sie können darin unser deutsches Wort „mimen“ anklingen hören. Wir sollen Gott in unserem Handeln mimen: lebensfördernd, verlässlich und achtsam.

Denn Gott selbst ist es, der Orientierung gibt und der mit seinem Sohn Jesus Christus ein helles Licht in die Welt gebracht hat. Jesus Christus, sein gesamtes Tun und Wirken bis hin zu seinem Leidensweg, den wir in der Passionszeit bedenken, ist ein besonderes Zeichen der Liebe Gottes. Und so ist das Kennzeichen eines an Christus orientierten Lebens Liebe und Licht. Jesus selbst sagt im Johannesevangelium von sich: „Ich bin das Licht der Welt!“ Und in einer der herausragendsten Stellen des Matthäusevangeliums, der Bergpredigt, sagt er den Seinen zu: „Ihr seid das Licht der Welt“. Man kann sich gut vorstellen, wie - ausgehend von dem Licht Jesus - wir Christen selbst zu Licht und als Kinder des Lichtes sichtbar werden. Licht lässt sich gut verbreiten. Wo so gehandelt wird, wird die Dunkelheit hell und haben die Mächte der Finsternis keine Chance.

„Wandelt als Kinder des Lichts!“

Der heutige Sonntag trägt den Namen „Okuli“, was übersetzt „Augen“ bedeutet. Dabei geht es im Grunde um vier Augen: Gottes Augen, mit denen er seine Menschen liebevoll ansieht, und die Augen der Menschen, die einerseits Gott um Hilfe bitten, andererseits aber auch den anderen Menschen mit den liebenden Augen Gottes sehen. Ja, es geht um Licht-Blicke.

Es gibt viele Möglichkeiten, als Nachahmer Gottes für andere Menschen einen Lichtblick zu schaffen. Schon ein freundliches Wort oder eine helfende Hand kann oftmals ein Lichtblick sein! Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Oder wie es der Epheserbrief sagt: Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Nun denn: „Wandelt als Kinder des Lichts!“

Amen

Bleiben Sie behütet und gesund!

Ihre Pastorin Heidrun Gunkel

Pastorin

Dr. Heidrun Gunkel
Luisenstraße 11
31224 Peine
Tel.: 05171 – 80244451