Gedanken zum Monatsspruch September

Nachricht 01. September 2021

Der Prophet Haggai spricht: Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel. (Hag 1,6)

Das ist ein sehr beklemmendes Wort, dieser Monatsspruch aus dem Buch des Propheten Haggai! Was sollen wir damit anfangen, welche Schlussfolgerungen sollen wir ziehen? Haggai spricht von Arbeit, von Essen und Trinken, Kleidung und Geld. Das sind ganz alltägliche Dinge, die ein jedes Leben prägen. Aber irgendetwas stimmt nicht, irgendetwas führt dazu, dass diese Dinge nicht den gewünschten Erfolg erzielen, irgendetwas verhindert, dass das Leben gedeiht.

„Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.“

Was sollen wir mit diesen Aussagen anfangen?

Der Prophet Haggai hatte eine konkrete Situation vor Augen: Er wirkte in einer ganz besonderen Zeit. Ein wesentlicher Teil der Bevölkerung Judäas hatte um die 70 Jahre in babylonischer Gefangenschaft leben müssen. Dann hatten die Perser das babylonische Reich erobert und einzelnen Personengruppen des jüdischen Volkes erlaubt in die Heimat ihrer Vorfahren zurückzukehren. Dort, in Jerusalem, sollte der zerstörte Tempel wieder aufgebaut werden. Aber das war leichter gesagt als getan. Rund 50.000 Juden sollen laut den Büchern Nehemia und Esra voll Freude und Tatendrang nach Judäa zurückgekehrt sein, ihre Hoffnungen wurden jedoch nicht erfüllt. Eine lange Dürreperiode hatte zu einer katastrophalen wirtschaftlichen Lage in Judäa geführt. Zudem bereitete die Wiedereingliederung der Rückkehrer große Schwierigkeiten. Die Menschen kümmerten sich deshalb eher um sich und um ihre Probleme als um den Wiederaufbau des Tempels. Und das kann ich sogar nachvollziehen: All die aus dem Exil in die Heimat Zurückgekehrten waren furchtbar erschrocken und enttäuscht: Sie hatten eine blühende Landschaft, komfortable Häuser und Gärten vor Augen sowie einen prächtigen Tempel, ein Haus, in dem Gott wohnt und der Gottesdienst gehalten wird. All dies hatte ihre Sehnsucht nach diesem Land genährt. Der Gegensatz zur Realität hätte kaum größer sein können. Das Land war verwüstet, genauso der Tempel. Verständlich, dass sie zuerst ihre eigene Not gesehen und mit allen Mitteln versucht haben, dem ein Ende zu setzen. Der Wiederaufbau des Tempels war ihre geringste Sorge.

Aber nach einiger Zeit merkten Sie: Trotz aller Arbeit und Mühe ging der Wiederaufbau des Landes nicht voran. Sie erhöhten ihren Einsatz, dadurch musste sich doch etwas zum Positiven verändern lassen. Der Tempel jedoch lag nach wie vor in Trümmern, der Baubeginn wurde immer weiter hinausgezögert. Haggai erklärt den mangelnden Erfolg aller Bemühungen und zeigt gleichzeitig die Lösung des Problems auf: Weil ihr in den Alltagssorgen gefangen seid und die falschen Prioritäten setzt, gibt es so viel Mangel im Land, deshalb hält Gott Regen und Segen zurück, aber wenn ihr mit dem Tempelbau beginnt, wird das Land endlich aufblühen!

Das bedeutet: Das menschliche Tun kann nur zum Segen dienen, wenn auch Gottes Ziele im Blick sind. Es geht also darum, nicht nur für sich selbst zu sorgen, nicht nur die eigenen Vorteile im Blick zu haben, sondern Gottes Gebote zu erfüllen.

Das Wort des Propheten Haggai wurde an einen ganz besonderen Empfängerkreis, in einer ganz bestimmten historischen Situation gesprochen. Was jedoch soll uns dieser Vers als Monatsspruch im September 2021 sagen?

„Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.“

Es gibt auf dieser Welt so viele Menschen, die im Überfluss leben, die mehr als genug haben an Geld, an Kleidung, Essen und Trinken. Und dennoch werden sie nicht satt, bleiben durstig, leiden an einer Kälte, gegen die auch die ausgefallenste Kleidung nicht hilft. Reichtum allein führt eben nicht automatisch zur Zufriedenheit, mögen die Möglichkeiten noch so groß sein. Da fehlt etwas im Leben, etwas, das diesem Sinn gibt und über die kleinen Sorgen des Alltags hinweg den Blick weitet.

In diesen Wochen wird es uns deutlich vor Augen geführt: Das Corona-Virus oder Naturkatastrophen wie Starkregen und Feuersbrünste zeigen uns, dass wir trotz aller Bemühungen letztlich nichts in der eigenen Hand haben. Unser Leben wird ohne Gottes Segen nicht gelingen. Die genannten Vorkommnisse führen uns unweigerlich zu der Frage, wo Gott in unserem Leben seinen Platz hat.

Für uns ist es nicht der Wiederaufbau des Tempels, dem wir uns widmen sollen. Aber da sind andere Dinge, die wir im Sinne Gotts tun sollen.

Im Matthäusevangelium ist dieses Wort Jesu überliefert: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen.“ (Mt 6,33). Jesus rekurriert hier auf die obige Botschaft des alttestamentlichen Propheten. An erster Stelle sollen der Gottesdienst und der dazugehörige Dienst am Nächsten stehen. Das sind die zwei Säulen gelingenden Lebens. So hat Jesus es gelehrt. Wo sie fehlen, kommt es vor, dass Gott zur Veränderung mahnt und sich auch nicht scheut, zur Verwirklichung seines Willens drastische Maßnahmen zu ergreifen. Denn sein Ziel ist eine Welt, in der Gerechtigkeit und Liebe wohnen. Zur Erreichung dieses Zieles sollen Menschen sich Gott öffnen und sich von ihm verändern lassen.

Amen

Pastorin

Dr. Heidrun Gunkel
Luisenstraße 11
31224 Peine
Tel.: 05171 – 80244451