Gedanken zum Monatsspruch August

Nachricht 01. August 2021

Der Monatsspruch für den August 2021: 2. Könige 19, 16 (Einheitsübersetzung): Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her!

Liebe Schwestern und Brüder,
vor einiger Zeit konnte man immer wieder ein Lied hören mit dem Titel „From a Distance“, zu Deutsch „Aus der Ferne“. Das Lied war ein großer Erfolg. Es erzählt davon, wie schön die Erde aussieht, wenn man sie aus der Ferne betrachtet. Ja, viele Menschen sind tatsächlich immer wieder fasziniert über Bilder, die unseren blauen Planeten, die Kontinente, die Meere vom Weltraum aus zeigen. Das Lied spricht auch davon, dass aus der Ferne betrachtet, Harmonie herrscht, alle haben genug, „niemand ist in Not“, es gibt keine Waffen und keine Krankheit. Aber wenn man nahekommt, sich auf der Erde befindet, dann sieht es anders aus. Dann sieht man auch Not und Leid in mancherlei Gestalt. Angesichts schlimmer Erfahrungen fragen Menschen immer wieder nach Gott. Manches Mal haben sie den Eindruck, er sei weit weg. Im Kehrvers jenes Lied heißt es: „Gott betrachtet uns, Gott betrachtet uns, Gott betrachtet uns aus der Ferne.“

     Der biblische Monatsspruch aus dem 2. Buch der Könige hat eine krisenhafte, eine katastrophenartige Situation im Blick. Soldaten der damaligen Weltmacht Assyrien belagern Jerusalem. Sie lösen Angst und Schrecken aus. Sie höhnen: Wo ist denn euer Gott? In dieser bedrängenden Situation betet König Hiskia, der in Jerusalem residiert: „Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her!“ Hiskia rechnet damit: Gott ist nicht fern. Er verschließt Augen und Ohren nicht vor dem, was geschieht. Er ist, bildlich gesprochen, nicht weit weg, fern im Himmel, sondern kommt nahe; er neigt sein Ohr den Rufenden zu, er wird ganz Ohr; und er wendet seine Augen zu den Rufenden hin, hat die Bedrängten im Blick als Helfer und Retter. 

     Gott hat Ohren und Augen, damit ist Gott sehr menschenförmig gedacht. Anders aber als mit menschenförmigen Vergleichen können wir von ihm gar nicht reden. Sehen und hören, das sind grundlegende Sinne. Gott hat Ohren und Augen, man kann sagen: er hat und er behält uns im Sinn. So kann man nicht verloren gehen.

     Ich weiß nicht, welcher Gott in jenem Lied „From a Distance“ – „Aus der Ferne“ gemeint ist. Der Gott, von dem die Bibel erzählt, kann es nicht sein. Zu dessen Wesen gehört grundlegend die Zuwendung, die Zuneigung. Ihn hält es nicht im Himmel. Er überwindet die Distanz, um der Welt und den Menschen nahe zu kommen. Er wird sogar Mensch in Jesus. Mit allen Sinnen ist er gegenwärtig und damit auch ganz Auge, ganz Ohr für unsere Belange und Situationen. „Fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns“, so heißt es in der Apostelgeschichte (Apg. 17, 27).

     Im 2. Buch der Könige wird auch davon erzählt, dass Gott das Gebet des Hiskia erhört. Die Assyrer, ein Bild für größte Macht, für schlimme Bedrängnis, für das, was Angst und Schrecken verbreitet, sie ziehen ab. Gott bleibt immer größer als eine Not und Bedrängnis sein kann. Darum spricht selbst der Tod nicht das letzte Wort, wie durch die Geschichte unterstrichen und bekräftigt ist, die Gott in Jesus schreibt. Die Not wird überwunden. 

     Wenn Menschen ihr Leben betrachten, dann wird es viele Erfahrungen geben, die uns sagen lassen können: Ja, es ist so: Gott hat sein Ohr mir zugeneigt und gehört; ja, es ist so: Gott hat seine Augen geöffnet und zu mir hingesehen. Er ist ganz Ohr und schaut mich an – mit großen Augen der Barmherzigkeit. Amen.   
     

 

Superindendent

Dr. Volker Menke
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