Gedanken zum letzten Sonntag nach Epiphanias

Nachricht 30. Januar 2022

Liebe Gemeinde,

wann haben Sie das letzte Mal in ein strahlendes Gesicht gesehen? Vielleicht steht Ihnen gleich ein Beispiel vor Augen. Wie die Augen glänzen, ja funkeln. Wie ein breites Lächeln das Gesicht ziert. Freude und Erfüllung strahlen von diesem Gesicht nach außen aus.

Es gibt zahlreiche Gründe, die Menschen ein solches Strahlen ins Gesicht zaubern können. Zum Beispiel, wenn sie eine gute Gemeinschaft erleben. Bei einem Familientreffen, bei einer Feier, einem großen Fest, bei einem Schulausflug oder bei Konfirmandenaktionen. Als wir vor kurzem das Weihnachtsfest gefeiert haben, konnten wir dabei auch in vielerlei Zusammenhängen Gemeinschaft erleben, und die Lichter des Tannenbaumes, der Sterne und Kerzen haben auch uns selbst hier und da einen besonderen Glanz verliehen.

Auch das Gelingen eines Vorhabens bringt Menschen zum Strahlen, wie etwa bei einem guten Prüfungsergebnis - gerade erst gab es Zeugnisse in den Schulen -, einem gelungenen Konzert, einem gut angenommenen neuen Angebot. Wenn einem die Erledigung einer schwierigen Aufgabe zugetraut wird. Wenn sich eine unter vielen Bedenken getroffene Entscheidung als richtig erweist. Wenn Hürden, ja Widerstände überwunden werden konnten. Und wie strahlt man erst, wenn man für etwas Gelungenes gelobt wird!

Manchmal sind es aber auch einfach die kleinen Dinge, die einem im Alltag zufallen und die ein Strahlen hervorlocken. Zum Beispiel, wenn einem plötzlich die Wintersonne ins Gesicht fällt, wenn man ein gutes Gespräch geführt hat, überraschend eine Wendung ins Positive, eine unerwartete Unterstützung erfolgt.

Ich vermute, jede und jeder von Ihnen kennt die eine oder andere der geschilderten Situationen.

Am heutigen Sonntag, an dem der Weihnachtsfestkreis offiziell zu Ende geht, steht noch einmal das große helle Licht von Weihnachten, das Licht, das mit Jesus in die Welt gekommen ist, im Mittelpunkt. Gottes Herrlichkeit will uns zum Strahlen bringen.

Im Evangelium lesen wir die Geschichte von Jesu Verklärung. Jesus wird auf einem Berg in Anwesenheit seiner drei engsten Jünger in ein himmlisches Licht getaucht. Die Jünger sind durch diese Verklärung von Gott ergriffen. Doch bei diesem Erlebnis können sie nicht stehen bleiben, in dieser Situation nicht verweilen. Sie müssen vom Berg wieder heruntersteigen, in den Alltag zurückkehren. Entscheidend ist dabei: sie nehmen mit, was sie erlebt haben.

Von so einem Bergerlebnis erzählt auch unser heutiger Predigttext aus dem 34. Kapitel des 2. Buch Mose:

29 Als nun Mose vom Berge Sinai herabstieg, hatte er die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand und wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte. 30 Als aber Aaron und alle Israeliten sahen, dass die Haut seines Angesichts glänzte, fürchteten sie sich, ihm zu nahen. 31 Da rief sie Mose, und sie wandten sich wieder zu ihm, Aaron und alle Obersten der Gemeinde, und er redete mit ihnen. 32 Danach nahten sich ihm auch alle Israeliten. Und er gebot ihnen alles, was der Herr mit ihm geredet hatte auf dem Berge Sinai. 33Und als er dies alles mit ihnen geredet hatte, legte er eine Decke auf sein Angesicht. 34 Und wenn er hineinging vor den Herrn, mit ihm zu reden, tat er die Decke ab, bis er wieder herausging. Und wenn er herauskam und zu den Israeliten redete, was ihm geboten war, 35 sahen die Israeliten, wie die Haut seines Angesichts glänzte. Dann tat er die Decke auf sein Angesicht, bis er wieder hineinging, mit ihm zu reden.

Mose glänzt und strahlt nach der Gottesbegegnung auf dem Berg Sinai, und zwar so sehr, dass das Volk Israel, das ihn am Fuße des Berges empfängt, Moses Erscheinung kaum aushalten kann. Die Israeliten fürchten sich sogar vor diesem göttlichen Glanz. Und Mose greift zu einer Decke, um seinen Mitmenschen die Furcht zu nehmen, aber auch, um langsam wieder im Alltag anzukommen.

So erhalten wir von den biblischen Geschichten des heutigen Sonntages Hinweise darauf, wie Gott Menschen zum Strahlen bringen kann. Dabei geht es ja nicht nur um Mose, um Petrus, Jakobus und Johannes. Nein, es geht um uns alle. Und um Gottes Liebe, die durch Jesus Christus auf uns leuchtet, in uns leuchtet und auch von uns ausstrahlen will. Damals auf dem Berg galt das für Mose beziehungsweise für Petrus und Jakobus und Johannes. Und heute gilt es für uns, für dich und mich und für viele andere. Gott hat sich in Jesus Christus auch mit uns verbunden. Seine Gnade scheint bis in die Höhen und Tiefen unseres Lebens. Sie bringt immer wieder neuen Hoffnungsschimmer für uns, leuchtet auch in unsere dunklen Ecken. So wirkt Gottes Wort, wirkt Gottes Menschen-Liebe. Wie groß diese Liebe ist, das können wir ansatzweise ermessen, wenn wir seine Gebote aus diesem Blickwinkel betrachten.

Jetzt mögen sie fragen, wo uns so etwas denn überhaupt widerfahren kann. Schließlich gehen wir ja nicht mal eben auf Gottes Geheiß oder gar mit Jesus zusammen auf einen Berg. Sicher, manche Menschen berichten von außergewöhnlichen Gipfelerlebnissen. Aber darauf sind diese Gotteserfahrungen nicht beschränkt. Es gibt andere Gelegenheiten, bei denen Menschen von Gott berührt werden.

Neulich habe ich ein solches Beispiel erlebt, als Kinder aus unserer KiTa zur Andacht in unsere Kirche kamen. Wie sie staunend dastanden, als sie den Kirchraum betrachteten, ja sogar ein wenig ehrfürchtig dasaßen und die Andacht mitfeierten.

Auch der Segen spielt eine wichtige Rolle, immer wieder lassen sich Menschen von ihm berühren. Dabei kann es sich um einen persönlichen Segen handeln, wie er bei Trauungen, bei Erst- Konfirmationen oder Jubiläumskonfirmationen empfangen wird. Aber das gilt auch und gerade für den Segen am Ende eines jeden Gottesdienstes. Da wird der sogenannte aaronitische Segen gesprochen, der so heißt, weil er in der biblischen Überlieferung zuerst von Aaron, Moses Bruder gesprochen werden sollte. In diesem Segenswort wird das Leuchten Gottes ja sogar wortwörtlich angesprochen: „Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig“. Mit dem Segen wird die Gemeinde zum Abschluss der mit Gott verbrachten feierlichen Stunde wieder in den Alltag entlassen. Jeder muss dann in diesen Alltag zurückkehren, sich oft genug nüchternen Pflichten oder leidvollen Realitäten stellen. Doch alle nehmen den hellen Schein mit, der sie ermutigt, weiter in Gottes Licht zu leben.

Gottes Liebe, sein Leuchten, will auf diese Weise in seinen Menschen weiterstrahlen. Auch wenn niemand von uns ständig strahlen und leuchten kann – immer wieder werden wir angestrahlt und angeleuchtet: An Weihnachten war das ganz deutlich. Die Zusage gilt aber auch darüber hinaus. Wir werden angestrahlt von einem freundlichen Gesicht, von einem Gotteswort, von Gottes Segen. Gottes Versprechen leuchtet in unser Leben: Er will bei uns sein. Immer und überall, alle Tage bis an das Ende der Welt. Wir sollen und können aus seiner Liebe leben. Schweres kann leicht werden. Aus Sorgen können Chancen und Möglichkeiten werden – so tauchen wir ganz ein in Gottes Glanz.

Amen

Pastorin

Dr. Heidrun Gunkel
Luisenstraße 11
31224 Peine