Gründonnerstag feiern

Nachricht 01. April 2021

Gründonnerstag, das ist der Tag des letzten Mahles Jesu mit seinen Jüngern. Gründonnerstag, das ist der Tag der Einsetzung des christlichen Abendmahles. Dabei geht es um Gemeinschaft und um gemeinsames Essen. In der Regel gab es in unserer St.-Jakobi-Kirche am Gründonnerstag ein Tischabendmahl. In Zeiten von Kontaktbeschränkungen, Abstand und Maskentragen ist so eine große Runde an einem festlich gedeckten Tisch für einen verantwortungsvoll denkenden Menschen schlichtweg unvorstellbar. Wie kann es dann gelingen, dass das, was dieser heutige Feiertag will, nicht gänzlich untergeht?
Wir erinnern uns daran, dass Jesus mit seinen Jüngern zum Passahmahl am Tisch saß. Davon erzählt auch der für den heutigen Tag vorgeschlagene Predigttext: Lesen Sie dazu gern Matthäus 26,17-30.
Jesu Freunde waren ganz nah bei ihm. Viele schwierige Themen waren am Tisch mit dabei. Die Jünger haben mitgebracht, was sie gerade beschäftigte. Vor allem nahmen sie die für Jesus bedrohliche Lage wahr. „Einer von euch wird mich verraten“. Das durfte doch wohl nicht wahr sein! Und sogleich fragten alle: „Wer?“ und „Könnte ich derjenige sein?“ Unter keinen Umständen wollten sie zulassen, dass er sie verlässt, dass die Gemeinschaft mit ihm zu Ende geht. Aber das Unvermeidliche würde kommen, dagegen konnten sie nichts tun. Jesus gab ihnen etwas mit auf den Weg: „Denkt an mich, wenn ihr gemeinsam Brot und Wein teilt. Dann bin ich mitten unter euch.“
Dieser Einladung Jesu folgen wir in jeder Abendmahlsfeier. Auch wenn unsere letzte Feier wegen der Auswirkungen der Pandemie schon länger zurückliegt. Ich sehe es vor mir: Wir stehen im Kreis vor dem Altar. Wir teilen Brot und Wein. Wir spüren die Gemeinschaft. Wir spüren, dass Jesus uns nahe ist, bei dieser Feier, in dieser Gemeinschaft.
Wenn wir diese Nähe auch heute nicht im Teilen von Brot und Wein spüren können, so mag ein Liedvers das Seine tun:
Nach der althergebrachten Liturgie rufen wir Jesus in unseren Abendmahlsfeiern an als Lamm Gottes, lateinisch Agnus Dei. „Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser“ (Evangelisches Gesangbuch 190.2). Bei diesem Abendmahlsgesang steht die Vorstellung des Opferlammes und speziell des Passahlammes im Hintergrund. Das Passahlamm
wird zum Passahfest geschlachtet, weil an das Heilshandeln Gottes beim Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert werden soll. Das Blut der geschlachteten Tiere wurde an die Türrahmen der Häuser der Israeliten gestrichen und diente als Zeichen zum Schutz. Wenn Christus als Lamm Gottes bezeichnet wird, dann wird er als Mittler angesehen, der durch seinen Opfertod die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen errungen hat. Diese Versöhnung wird in der Feier des Abendmahles vergegenwärtigt.
Ich möchte Ihnen eine neue Version dieses Abendmahlsgesangs vorstellen (freiTöne 151 A). In ihm wird Christus nicht als „Lamm Gottes“ angerufen, sondern in der Anrufung werden Jesus und seine Bedeutung auf andere Weise gekennzeichnet: Als „Antlitz Gottes“, als „Weisheit Gottes“, als „Heiland Gottes“. Antlitz bedeutet Gesicht. Das Gesicht ist das, was einen auszeichnet und an dem man erkennbar ist. Wir können in Jesus Gott erkennen. Aber da ist noch mehr: „der du siehst, was uns beschämt“. In dieser Formulierung des Liedverses wird der Blick Gottes auf uns angesprochen. Gott kommt in Christus auf uns zu. Wie wohltuend ist dieser Gedanke! Und er setzt sich fort in den anderen beiden Teilen des Liedverses: Die Weisheit Gottes ist das, was die Welt durchdringt und zusammenhält. Und so ist Christus der, „der umfasst, was uns zerreißt“. Und schließlich ist Christus als Heiland – wir kennen diese Bezeichnung schon aus der Weihnachtsbotschaft der Engel – „der du löst, was uns bedrängt“.
Diese Version des Agnus Dei hat für mich einen ganz starken Bezug zur momentanen Situation. Da ist einer, der um meine Sorgen und Nöte weiß, auch und gerade jetzt, da die Corona-Pandemie so bedrängende und bedrückende Folgen nach sich zieht. Einer, auf dessen Weitsicht und Perspektive ich vertrauen darf, wenn ich selbst nicht mehr weiß, wie es eigentlich weiter gehen soll oder welcher Weg der richtige sein kann. Ja, da ist jemand, der verheißen hat, dass alle Not und Bedrängnis einmal zu Ende sein wird. Ich werde angeschaut, umarmt, an diesem Tag ist Jesus mir durch sein Abschiedsmahl besonders nah. Das Lied „Christus, Antlitz Gottes“ hat daher passenderweise eine fröhlichere Tonfarbe als das altbekannte „Agnus Dei“.
Wie sich unsere Abendmahlsfeiern nach dem Ende der Pandemie entwickeln werden, das wissen wir noch nicht. Ich selbst bin gespannt auf die Klärung dieser Frage. Schon heute aber weiß ich: Auch ich habe einen Platz an Jesu Tisch und zwar ohne Vorbedingung, so, wie ich dort gerade Platz nehmen kann. Wir alle dürfen dort sein, bei Jesus am Tisch. Er schenkt uns Gemeinschaft und hält uns zusammen.
Amen.

Pastorin

Dr. Heidrun Gunkel
Luisenstraße 11
31224 Peine
Tel.: 05171 – 80244451