Gedanken zum Konfirmationssonntag

Nachricht 20. September 2020

Konfirmation und Masken

Sie sind im Moment aus dem Alltag gar nicht mehr wegzudenken. Fast überall wird man aufgefordert, sie zu tragen. Auch im Konfirmationsgottesdienst kommen wir nicht darum herum. Wir tragen Mund-Nasen-Schutze, die in der Alltagssprache im Regelfall als Masken bezeichnet werden.

Für den Gottesdienst verwende ich eine schlicht weiße Maske aus Stoff. Es gibt diese Masken jedoch in allen möglichen Farben und Ausführungen. Einmal-Masken, Stoffmasken, Sicherheitsmasken, OP-Masken. Masken aus buntem Stoff oder mit aufgedruckten witzigen Sprüchen. Die Geschäftswelt war in dieser Hinsicht im letzten halben Jahr doch sehr einfallsreich!

Diese Masken sind neben dem Abstandsgebot ein Phänomen der Pandemie. Und ja, es kann schon lästig sein, immer daran denken zu müssen, sie aufzusetzen. Und in vielen Situationen ist das Tragen der Masken anstrengend. Aber wir beachten diese Regeln, um andere Menschen und auch uns selbst zu schützen.

Neben diesen weithin sichtbaren und nahezu allgegenwärtigen Masken gibt es aber auch noch ganz andere Formen von Masken. Ich spreche von Gesichtsausdrücken, von Körpersprache, von Verhaltensweisen. Das alles hat Einfluss darauf, wie mein Gegenüber mich einschätzt. Und deshalb wollen wir in so manchem Fall unser wahres Ich verbergen. Dazu setzen wir in bestimmten Situationen eine passende Maske auf. Die Coolness-Maske, wenn wir besonders gut ankommen wollen. Die Null-Bock-Maske, wenn wir den Müll nicht runterbringen wollen. Es gibt noch eine ganze Reihe: Die „Dir-zu-Liebe-Maske“ oder die „Ich- hab-keinen-Plan-Maske“. Die „Intellektuellen-Maske“ oder die „Selbstbewusstsein-in-Person-Maske“. Und und und… Es ist – anders als bei den Corona-Masken – für andere Menschen dann gar nicht immer gleich erkennbar, dass ich eine Maske aufgesetzt habe.

Jede und jeder mag einmal für sich überlegen: Welche Rolle bevorzuge ich, welche Masken setze ich eigentlich am liebsten auf?

Das ist wie im Theater oder beim Fasching: Mit so einer Maske fällt es oft viel leichter, die jeweilige Rolle auszufüllen, sei sie zugewiesen oder angestrebt. Deshalb können solche Masken in bestimmten Situationen des Lebens hilfreich sein. Unter der Maske kann ich verbergen, was ich nicht nach außen tragen, nicht von mir preisgeben will. Lebt es sich auf diese Weise nicht viel leichter?

Es gibt aber noch eine zweite Seite der Medaille. Geradezu gefährlich wird es dann, wenn ich mich selbst ganz hinter der Maske verstecke. Wenn ich mich nicht traue, so zu sein, wie ich wirklich bin. Und wenn dann keiner erfährt, wie es mir wirklich geht, wie einsam ich bin, welcher Hilfe ich bedarf. Es gibt nicht wenige Menschen, die haben Angst, ihr Gesicht zu verlieren, wenn sie ihre Maske fallen lassen. „Was sollen denn die Freunde denken, wenn sie erkennen, dass ich doch nicht so cool bin, wie ich immer tue?“ „Was denken die Schulkameraden, wenn sie merken, dass die Kritik vom Lehrer doch nicht einfach so an mir vorbeigeht?“ „Was denken meine Kinder, wenn ich als Vater auch einmal Schwächen zeige und Fehler zugebe?“

Für die Konfirmandinnen und Konfirmanden ergibt sich mit der heutigen Konfirmation eine neue Rolle. Heute tun sie einen wichtigen Schritt als Heranwachsende. Sie sind ab heute mündige Christen. Was das heißen kann, als Christ zu leben, das haben wir in den letzten gut zwei Jahren im Konfirmandenunterricht gemeinsam erkundet. Es ging darum, die verschiedenen Themen unseres Glaubens zu betrachten. Auszuprobieren, was dazu gehört. Kennenzulernen und einzuüben, wie man als Christ leben kann. Nun haben sie zum Beispiel das Recht, Paten zu werden. Wie sie mit dieser neuen Rolle, mit den neuen Möglichkeiten umgehen, das liegt nun an ihnen. Wenn sie Lust haben, dann geht es für sie nach der Konfirmation weiter bei den SchoKos, im Jugenddienst oder bei anderen Angeboten. Mit vielen farbenfrohen Aktionen.

Und es gibt noch eines, was ihnen heute bewusst werden soll: Wichtig ist, dass sie wissen, wer sie in all den genannten Rollen, hinter all diesen Masken eigentlich sind. Dass sie spüren und sich klar machen, dass Gott sie in sein Herz geschlossen hat, dass sie Gott gegenüber keine Rolle spielen, keine Maske tragen müssen. Und dass ihnen deutlich wird: Sie sind gut so, wie sie sind.

In 1. Sam 16 können wir lesen, wie der Hirtenjunge David von Gott zum König auserwählt worden ist. „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“, heißt es da. Der jüngste der vielen Geschwister, der, der zum niedrigsten Dienst, zum Schafe-Hüten abgestellt wurde. Derjenige, der von seinem Vater erst gar nicht zur Vorstellung bei der Königssuche mitgenommen wurde. Ausgerechnet diesen David erwählt Gott sich zum König. David wird gesalbt und Gottes Geist kommt über ihn.

Zur Konfirmation bekommen die Konfirmanden heute den Segen zugesprochen, der sie auf ihrem weiteren Weg begleiten soll. Und der das „Ja“ Gottes zu ihnen nochmal bekräftigt. Als sie getauft worden sind, da war das auch so: Gott hat zu ihnen „Ja“ gesagt. Und für die allermeisten von ihnen haben die Eltern und Paten damals stellvertretend „Ja“ gesagt. Heute ist es nun so weit, dass sie selbst ganz offiziell „Ja“ sagen. Das gemeinsam gesprochene Glaubensbekenntnis ist ihr offizielles „Ja“ zu Gott und zu einem Leben als Christen. Denn das heißt Konfirmation: Das lateinische Wort confirmare bedeutet „bekräftigen“ oder auch „bestätigen“. Die Konfirmanden sagen selber „Ja“ zu diesem Gott, der sie mit seiner Fürsorge und Liebe beschenkt.

Und das gilt auch, wenn sie sich jetzt auf den Weg machen in ein immer selbstständigeres Leben. Ich bin sicher, dass auch ihre Eltern und sonstigen Familienmitglieder gespannt sind, wie sie ihre Rollen im Leben finden werden.

Was auch immer kommen mag, eins steht fest: Sie dürfen sie selbst sein. Ganz wie sie sind. Und sie sind eingeladen, das nie zu vergessen. Sie müssen sich nicht hinter irgendwelchen Masken verstecken.. Es ist entscheidend, sich immer wieder vor Augen zu führen: Welche Maske auch immer man aufsetzt, Gott schaut nicht auf die Maske, sondern ins Herz. Und dort sieht er jeden einzelnen an. Dort sieht er dich. So wie du bist. Dort sieht er dich an als sein geliebtes Kind.

Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

 

Ihre Pastorin Heidrun Gunkel

Dr. Heidrun Gunkel
Luisenstraße 11
31224 Peine