Gedanken zum 18. Sonntag nach Trinitatis

Nachricht 11. Oktober 2020

„Wir sind irgendwo zwischen K.O. und OK“ – so heißt es in einem Lied von Vincent Malin. Zwischen sich finden und sich verlieren. Zwischen gestern und heute. Zwischen großen Träumen und deren Einsturz. Irgendwo zwischen K.O. und OK.

Damit beschreibt der Sänger ein Gefühl, das wir vermutlich alle kennen. Wie gerne wollen wir uns so richtig „OK“ fühlen! Wir hören es gerne, wenn jemand sagt: „Du bist Ok. Du bist ein richtig guter Freund. Oder: Du kannst richtig gut Fußball spielen. Oder: Prima, dass du Mathe kapiert hast und mir helfen kannst. Du bist OK.“

Mit den Konfirmanden haben wir am Freitag festgestellt: Nicht jeder kann und muss alles können. Aber jede und jeder Einzelne von uns kann etwas Bestimmtes richtig gut, muss jedoch erst einmal herausfinden, was genau das ist.

Dazu gehört: Wir alle brauchen Anerkennung! Die Großen und die Kleinen, die Jungen und Alten, Männer und Frauen, Eltern und Kinder, Konfirmanden und Kirchenvorsteher. Es gibt keinen Menschen, für den Anerkennung nicht lebensnotwendig ist. Wenn sie ausbleibt, leiden die Betroffenen stark.

Im Lied von Vincent Malin ist von „sich selbst finden“ die Rede und außerdem von der Gefahr, sich selbst zu verlieren. In diesem Lied wird darauf gebaut, dass der Mensch seinen Weg selbst findet. Wird darauf gesetzt, dass der Mensch es selber schafft. Dass er dafür sorgen kann, „OK“ zu sein – und somit auch selbst dafür verantwortlich ist, wenn er „K.O.“ geht. Und es wird deutlich, dass das Leben sich zwischen diesen beiden Polen abspielt, eben „zwischen K.O. und OK“.

Was kann man also tun, wenn man völlig K.O. ist? Das Lied nennt folgendes Rezept: „Es kommt nur drauf an, dass wir weitergehn.“ Weitergehn - dann wird das Leben sich irgendwann auch wieder in Richtung „ok“ entwickeln.

Mich hat das an einen Spruch erinnert, der in den letzten Jahren immer wieder zu lesen war. Er lautet: „Aufstehen – Krone richten – weitergehen“. Auch in diesem Vers kommt Vertrauen in sich selbst zum Ausdruck. Vertrauen darauf, dass man sich selbst helfen kann, wenn man einmal K.O. ist. Selbst aufstehen, selbst die Krone richten und dann weitergehen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Aber ich kenne durchaus Situationen, in denen ich mich nicht in der Lage fühle, mir selbst in ausreichendem Maße zu helfen. Auch wenn ich mir noch so viel Mühe gebe. Und auch wenn ich durchaus versuche, weiterzugehen.

Die Geschichte vom Königskind Saphira erzählt von einer solchen Situation. Sie erinnert stark an ein Gleichnis, das Jesus erzählte, nämlich das Gleichnis vom verlorenen Sohn.

Beim Königskind Saphira ist es der König, der seine Tochter sucht und schließlich auch findet. Und der Saphira zeigt, dass sie ihre Krone gar nicht verloren hat, dass diese vielmehr ok ist, auch wenn man sie vor lauter Matsch nicht mehr sehen kann. Und noch mehr: Saphira selbst gelingt es nicht, die Krone vom Matsch zu befreien. Sie wird noch mehr damit beworfen. Aber der König entfernt den Dreck und bringt die Krone wieder zum Glänzen. Hier zeigt sich die Liebe des Königs zu seinem Königskind.

Die Quintessenz dieser Geschichte lässt sich übertragen: Mit solch einem liebevollen Blick schaut Gott uns Menschen an. Wir sind Gottes Königskinder. Er hat uns zu seinen Kindern gemacht und uns dadurch eine Krone aufgesetzt. Jedem von uns. Die Krone seiner Anerkennung und Liebe. Von Gott erhalten wir die Königswürde. So heißt es in einem nach Psalm 139 frei formulierten Text, in dem Gott als König zu jedem einzelnen Menschen spricht:

„Hiermit verleihe ich dir die Königswürde. Ich habe dich erwählt, weil du unendlich kostbar bist in meinen Augen. Du bist unvergleichlich und einmalig. Ich setze mein Leben für dich ein, so wichtig bist du für mich. Ich schenke dir Kraft und Selbstbewusstsein. Nimm deinen Platz ein da, wo ich dich hingesetzt habe. Lass dich durch nichts und niemanden dazu verleiten, dich minderwertig zu fühlen. Sei dir deiner Erwählung täglich gewiss. Deine Treue ist mir wichtig. Wenn dir Fehler unterlaufen, komm zu mir und erzähle es mir. Dann werde ich da sein und für dich einstehen, wiedergutmachen und die Schuld bezahlen. Geh fröhlich deinen Weg, ich werde dich keinen Moment im Stich lassen. Sei dir deiner Königswürde gewiss, egal, was auch geschieht. Ich selbst stehe zu dir. Ich habe dir die Krone aufgesetzt und habe dich unendlich lieb.“

 

An diese unsere Königswürde als Kinder Gottes müssen wir immer wieder erinnert werden. Daran erinnert werden, dass wir in Gottes Augen unendlich wertvoll sind. „Es kommt nur drauf an, dass wir weitergehen“.

Auch Gottes Königskinder leben zwischen K.O. und OK. Aber sie wissen, dass sie nichts von ihrer von Gott geschenkten Krone trennen kann.

Die Krone, durch die Gott sagt: Du bist total OK. Und wenn du einmal K.O. sein solltest, dann werde ich dir helfen, dass sich das wieder ändert.

Amen.

Bleiben Sie behütet und gesund!
Ihre Pastorin Heidrun Gunkel

Pastorin

Dr. Heidrun Gunkel
Tel.: 05171 – 80244451