Gedanken zum 3. Sonntag nach Trinitaris

Nachricht 28. Juni 2020

Predigt zu Sprüche 31, 6-9

anlässlich des Gottesdienstes auf dem Hof der Härke-Brauerei am 28.6.2020 zum Thema: „Hopfen und Malz, Gott erhalt´s. Was brauchen wir zum Leben?“

 

Liebe Schwestern und Brüder,

bei der Vorbereitung zu dieser Predigt ist mir noch einmal richtig deutlich geworden, was für eine Kunst das Brauen von Bier mit seinen vielen Arten ist. Und auf was für ein stattliches Alter das Bierbrauen zurückschauen kann. Es geht bis in urgeschichtliche Zeit zurück.[1] Den bislang ältesten Ort eines Braubetriebes stellt die Rakefet-Höhle im heutigen Israel dar, in der bereits vor rund 13.000 Jahren Bier gebraut wurde.[2] Und über die Zeiten hinweg sind zahlreiche Rezepte zur Bierbereitung überliefert.[3]

Denken wir an die Bibel, dann fällt uns als Getränk vermutlich am ehesten der Wein ein. Und viele kennen natürlich die Geschichte, in der Jesus Wasser in Wein verwandelt. Aus Bierbrauersicht wäre es vielleicht schön, man hätte auch eine Geschichte in der Bibel, in der Wasser in Bier verwandelt wird. Und das wäre gar nicht so abwegig. Denn wie auch anderswo im Nahen Osten, dürfte wie der Wein insbesondere das Bier auch im alten Israel „ein Alltagsgetränk gewesen sein“; das Bier dabei als „eine Art flüssiges Brot“,[4] im besten Sinne des Wortes ein Lebensmittel. Aber haben Sie schon einmal von Bier in der Bibel gelesen?

 In der deutschsprachigen Luther-Bibel, die ich seit vielen Jahren benutze, heißt es in einem Wort aus dem letzten Kapitel der sogenannten Sprichwörter Salomos: „Gebt starkes Getränk denen, die am Umkommen sind, und Wein den betrübten Seelen“. (Spr. 31, 6, Luther-Bibel in der revidierten Fassung von 1984) Und nun hören Sie mal, wie dieser Vers in der Überarbeitung lautet, die 2017 anlässlich des Reformationsjubiläums in Gebrauch genommen wurde: „Gebt Bier denen, die am Umkommen sind, und Wein den betrübten Seelen.“ Aus „starkes Getränk“ wurde „Bier“, und damit zum einen präzisiert, was das zu Grunde liegende hebräische Wort (  שָׁﬤַﬧ šāḵar ) bedeutet, und zum anderen damit das Bier dem Wein parallel gestellt. Beide gehören gleichermaßen zu den guten Gaben Gottes, zu Mitteln zum Leben. In jenem Vers aus dem Sprüche-Buch werden Bier wie Wein gar als „Trostmittel“ für bedrängte und betrübte Menschen gesehen.[5] Allerdings geraten wir damit an eine Grenze, wo Bier und Wein als an sich gute Gaben Gottes missbräuchlich verwendet werden können. So sehr man vielleicht verstehen kann, wenn ein Mensch in einer bedrängten Situation zu Bier oder Wein als Seelentröster greift, um im Rausch der Not zu entfliehen, so muss man doch sagen: Wünschenswert wäre eine andere Problemlösung. Der Weg, wirklich und nachhaltig zu helfen, müsste anders aussehen. Ein Problem kann man nicht lösen, indem man möglicherweise ein neues und vielleicht noch schwerwiegenderes schafft. Das, meine ich, wird auch im Sprüche-Buch so gesehen. Ja, vielleicht können für einen Augenblick einmal Bier und Wein tröstlich wirken, so dass man sagen kann: „Gebt Bier denen, die am Umkommen sind und Wein den betrübten Seelen“, und dann weiter: „dass sie trinken und ihres Elends vergessen und ihres Unglücks nicht mehr gedenken.“ (Spr. 31, 7) Doch die nachhaltige und wirkliche Hilfe sieht anders aus, und die wird gleich und unmittelbar nach den gerade zitierten Versen genannt, wenn es als Bitte zu Mitmenschlichkeit in Wort und Tat heißt: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen.“ (Spr. 31, 8f.) Gott denkt von den Bedrängten und Hilfs- und Schutzbedürftigen her. Die ganze Bibel ist durchzogen von Geschichten und Texten, die das unterstreichen. Und auch hier im Sprüche-Buch findet sich die Bitte, der Aufruf, sich daran zu beteiligen, das zu tun, was in Gottes Augen recht ist: Zur Heil- und Gutwerdung des Lebens beizutragen, sich darum auch für Menschen einzusetzen, damit sie am besten gar nicht erst in eine traurige und verzweifelte Lage geraten, wo sie ihren Kummer ertränken, aber eben der Kummer nicht in eine neue Lebensfreude verwandelt wird. Zu solchem Schutz vor Kummer oder zu der Verwandlung von Kummer in neue Lebensfreude kann doch jede und jeder beitragen. Und wenn die Mitmenschlichkeit regiert, Menschen ihre Würde als Kinder Gottes ausstrahlen und der Schönheit des Lebens dienen, ja dann gibt es doch den tiefsten Grund, zu feiern und fröhlich zu sein, gern bei guten Gaben Gottes wie Bier und Wein. Denn die Welt ist heiler geworden, Lebensfreude hat sich Bahn gebrochen. Amen

 

[1] M. Oeming, Art.    שָׁﬤַﬧ šāḵar, in: ThWAT, Bd. VIII, Darmstadt 2020 (Sonderausgabe), Sp. 1f.

[2] Art. Bier, unter https://de.wikipedia.org/wiki/Bier  (Internet-Abfrage am 20.6.2020)

[3] M. Oeming, a.a.O., Sp. 2.

[4] Ebd.

[5] Ders., a.a.O., Sp.3.

Superintendent

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