Gedanken zum 11. Sonntag nach Trinitatis

Nachricht 23. August 2020

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns“

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns“ – dieses Lied singen wir manchmal in unseren Gottesdiensten. Ich weiß nicht, was Sie mit Kirche verbinden (Was Sie vielleicht auch schon an Enttäuschung erlebt haben ...).

Aber für mich ist Kirche in erster Linie eine Gemeinschaft von Sehnsüchtigen. Die sich nicht abfinden mit dem, was ist. Die sich an Jesus erinnern und seine Reich-Gottes-Botschaft: Dass alles auch ganz anders sein könnte. Dass nichts so bleiben muss, wie es ist. So ungerecht, so lieblos.

Nicht „die Gesellschaft“, nicht die eigene Ehe oder Familie, auch nicht die Kirche - oder wo wir sonst miteinander leben. Es könnte alles auch ganz anders sein. Nämlich: Viel schöner!

Ich bin unglaublich dankbar, dass ich als junger Mensch Gottesdienst als einen Ort erleben konnte, an dem eine andere Wirklichkeit zur Sprache kommt. Dass es doch „mehr als alles“ geben muss.  Dass Leben mehr sein muss als „Schaffen und Shoppen“ - und dann irgendwann Sterben.

Ganz oft saß ich in der Kirchenbank und dachte: „So hätte ich das nie formulieren können ...: Aber genau so ist das, was ich erlebe! Da findet jemand Worte für meine Erfahrungen, meinen Schmerz, meine Empörung, meine Fragen an das Leben. Da holt jemand aus der Bibel Lebenserfahrungen heraus, Lebensgeschichten, in denen ich meine eigene wiederfinde.“

Predigt und Gebete, Psalmen und Lieder können ein guter Ort sein für unsere Not. Wo auch Schuld ausgesprochen werden kann, weil es Vergebung gibt. Wo wir unser „Unglück ausatmen“ können. Und das Ausatmen genügt schon, um wieder Raum zu schaffen für ein bisschen Hoffnung. Wo wir Mut und Kraft sammeln können für den Aufstand gegen den Tod und gegen alles, was Leben kaputt macht.

Kirche ist „durchbeteter Raum“. Viele haben vor mir gebetet, viele werden nach mir beten und ihre Not, aber auch ihr Glück an diesen Ort tragen. Und dieser Ort wird ihnen guttun. Mit seiner Stille. Seiner Andersartigkeit. Er wird sie zur eigenen Mitte führen und ihnen helfen, sich selbst nicht auszuweichen. Und wird sie die Sprache der Hoffnung lehren.

Denn das ist für mich Kirche: Ein Ort und eine Gemeinschaft, die Sehnsucht und Hoffnung durchhält.

Gesegneten Sonntag!

 

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott.

2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott.

3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott.

4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott.

Text: Eugen Eckert, Melodie: Anne Quigley

 

 

Bleiben Sie behütet und gesund!
Ihre Pastorin Beate Lenz

Pastorin im Ehrenamt

Beate Lenz
Tel.: 05171 - 59 02 43