Gedanken zum 1. Sonntag nach Trinitatis

Nachricht 14. Juni 2020

Jesus - Vorbild und Orientierung in einer unübersichtlichen Welt

Derzeit komme ich bei den rasanten Änderungen im politischen und gesellschaftlichen Gefüge kaum mehr mit dem Denken nach. Coronakrise, Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Flüchtlingskrise, Nahostkrise; es hört nicht mehr auf.

Dann erst die Kommentare dazu. Unmengen an selbst ernannten Fachleuten geben ihre Kommentare in Foren im Internet bekannt. In der Meinungsvielfalt festen Halt zu finden, einen Standpunkt, von dem aus all diese Krisen eingeordnet werden können, einen Hinweis, wie ich mit solchen Krisen umgehen kann, das ist in dieser Mehrstimmigkeit der Meinungen notwendig. Vorbilder, die uns durch diese Vielstimmigkeit leiten.

Doch kann es überhaupt noch Vorbilder geben, wenn doch jedes Leben in den sozialen Netzwerken und den modernen Medien offengelegt und dann genüsslich jeder noch so kleine Fehler, jede noch so kleine Mücke zu einem wahren Elefanten hochstilisiert wird und Menschen durch den Kakao gezogen werden? Sagt mir einen Menschen, der absolut ohne Fehl und Tadel ist. Oder drücken wir es fromm aus: Nennt einen Menschen, der ohne Sünde ist, so rein, dass er vor Gott bestehen kann? Die, die vor Gott bestehen können, das sind ja Sünder, die einzig durch Jesu Gnade Gott recht sind. Doch solche Menschen zählen vor dieser rechthaberischen Welt nichts. Einmal im Netz immer im Netz, keine Vergebung, kein Neuanfang, schuldig für immer. Weil Jesus und seine Versöhnung immer weniger Menschen etwas zählt. Und so verlieren wir die großen Persönlichkeiten, an denen wir uns orientieren könnten und auch die Hoffnung auf einen Neuanfang.

Es werden gezielt falsche Nachrichten gestreut, es werden Wahrheiten durch Roboter konstruiert, die die Meinung von einigen wenigen so darstellen, als wäre sie Mehrheitsmeinung. Wir fallen auf solche Meinungsmache herein. Immer weniger Menschen lesen heute noch Bücher, immer weniger lesen die Zeitung und noch weniger die Bibel. Schnelle Bilder, kurze Schlagzeilen, Hashtags, das ist gefragt. Das füttert uns mit Unwissen, mit Halbwissen und macht dumm. Wahre Bildung, Herzensbildung wird nur dem zuteil, der sich mit dem beschäftigt, dem er nachgebildet werden soll. Dem Bilde Gottes. Der ist in Jesus in die Welt gekommen. Und Jesus sagt nun von sich: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Könnte es nicht sein, dass erst dann wieder Orientierung in unserer fiktiven, modernen, verlogenen Welt möglich ist, wenn wir diesem Jesus nachfolgen. Weg vom sozialen Netzwerk, hin zu den Nächsten. Weg aus dem Gewirr und Gewimmel der verlogenen Foren hin zu dem, der da war und der da ist und der da kommt. Könnte nicht Hilfe sein, was Philipp Spitta schon 1833 geschrieben hat:

Bei dir Jesu will ich bleiben, stets in deinen Diensten stehn;
Nichts kann mich von dir vertreiben, will auf deinen Wegen gehn.
Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft,
Wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft.

Könnt ich´s irgend besser haben als bei dir, der allezeit
soviel tausend Gnadengaben für mich Armen hat bereit?
Könnt ich je getroster werden als bei dir, Herr Jesu Christ,
dem im Himmel und auf Erden alle Macht gegeben ist?         
( EG 406, 1 – 2 )

Ich will nicht von der Internet-Community für immer verurteilt und gerichtet werden, sondern setze auf die Kraft Jesu, der mir Hoffnung schenkt auf täglichen Neuanfang, der meine Fehler vergibt und es möglich macht, den Unwahrheiten und Krisen dieser Welt Gottes Wahrheit entgegen zu setzen.

Bleiben Sie behütet und gesund!
Ihre Pastorin Beate Lenz

Beate Lenz
Mödesser Weg 31
31224 Peine
Tel.: 05171 - 59 02 43