Gedanken zum Sonntag Quasimodogeniti

Nachricht 19. April 2020

Das Osterfest ist vorbei. Die Feiertage, die in diesem Jahr so ganz anders verliefen, als wir es gewohnt sind, sie werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Die Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind noch nicht vorbei. Weiterhin wird also alles auf den Kopf gestellt sein. Das ist zunächst einmal keine gute Nachricht. Und dennoch können wir froh und dankbar sein, dass die Pandemie in Deutschland im Vergleich zu manch anderem Land bislang nicht ganz so drastische Folgen nach sich gezogen hat. Das ist aber kein Grund, jetzt leichtsinnig zu werden und den „zerbrechlichen Zwischenerfolg“ (so die Bundeskanzlerin) zu gefährden. Die nächsten Wochen und Monate werden uns wohl weiterhin einiges abverlangen.

Das Osterfest ist vorbei und dennoch trägt die Botschaft von Ostern uns weiter durch diese Zeit: die große Freude über Gottes Geschenk, über neues Leben. Jetzt im Frühjahr können wir beobachten, wie die Natur Stück für Stück neu erblüht. Frische Blüten und Blätter, bunte Farben erfreuen uns. Die Sonne wärmt uns. Das alles macht das Herz weit, z.B. beim Spaziergang an der frischen Luft oder beim Blick aus dem Fenster. Diese Erfahrungen erinnern uns an Ostern. An die Hoffnung, die wir mit diesem Fest verbinden, die dieses Fest uns in jedem Jahr auf‘s Neue schenkt.

Eine ähnliche Erfahrung drückt auch der Predigttext für diesen ersten Sonntag nach Ostern aus. Er steht in Jes 40,26-31: 26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. 27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? 28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Aus den sichtbaren Taten unseres Schöpfers gewinnt der Prophet die Gewissheit, dass Gott den einzelnen Menschen Kraft und Stärke gibt. Die Verse gehören zu dem Teil des Jesajabuches, der als Deuterojesaja bezeichnet wird. Dieser Prophet lebte in Zeiten einer großen Verunsicherung, die auf die Zerstörung des Tempels in Jerusalem und die Verschleppung aus dem Heimatland nach Babylon zurückzuführen war. Den Zusammenbruch seiner bisherigen Welt hatte er erleben müssen. Unsicherheit und Gefahr im Exil erfahren, Wochen und Monate voller Angst und Sorge verbracht. Aber: In das alles mischt sich ein „Dennoch“. Das Dennoch einer Hoffnung aus seinem Glauben und seiner Glaubenserfahrung heraus.

Solche Erfahrung mit unserem Glauben, solche Erfahrung mit der Osterbotschaft wünsche ich auch Ihnen immer wieder und ganz besonders in dieser schweren Zeit! Amen

Bleiben Sie behütet und gesund!

Ihre Pastorin Heidrun Gunkel

Pastorin

Dr. Heidrun Gunkel