Gedanken zum Sonntag Palmarum

Nachricht 04. April 2020

von Pastorin Dr. Heidrun Gunkel

Der Predigttext für Palmsonntag steht in Mk 14,3-9:

Und als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Am Palmsonntag biegen wir in die Karwoche ein. Es stehen uns die Tage bevor, an denen wir uns ganz intensiv an Jesu Weg ans Kreuz erinnern. Und ich denke mir: Wie schön, dass es auf diesem bitteren Weg jene Frau gab, von der die obige Geschichte berichtet! Wie schön, dass diese Frau Jesus mit solch kostbarem Öl gesalbt und auf diese Weise ein so positives Zeichen gesetzt hat! Ein Zeichen ihrer Zuwendung, aber auch ein Zeichen ihrer Anerkennung. Ein Zeichen, das Mut macht und Hoffnung gibt.

Bemerkenswert ist, dass in der momentanen Ausnahmesituation von vielen Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zahlreiche ähnliche Zeichen gesetzt werden: Hier werden Schutzmasken genäht und verteilt. Dort werden aufmunternde Briefe an Bewohner von Seniorenheimen geschrieben. Menschen kaufen für andere ein. Lokale Geschäfte unterstützt. Spenden gesammelt. Blumen und Pakete verschickt. Lange Telefonate geführt. Die Liste ließe sich noch eine ganze Weile fortführen. Die Hilfsbereitschaft und der Ideenreichtum sind überwältigend! War das wirklich zu erwarten in einer Gesellschaft, in welcher der Einsatz des Ellenbogens immer weiter um sich gegriffen hatte? Ohne Zweifel ist es von wesentlicher Bedeutung, in dieser Zeit auf andere zu blicken und ihnen etwas Gutes zu tun. In dieser Zeit der Einschränkungen bis hin zum Kontaktverbot ist es m.E. aber auch wichtig, dass wir uns selbst nicht aus dem Blick verlieren. Neben aller Fürsorge für andere sollten wir uns selbst fragen: Was tut mir in dieser angespannten Situation gut? Immer wieder merke ich, dass in mir dabei vor allem eine Frage aufkommt: Kann ich gnädig sein mit mir selbst? Vielleicht stellt sich diese Frage gerade jetzt öfter, weil fast nichts mehr so läuft, wie man es gewohnt ist, wie man es gerne hätte. Gerade jetzt, da einem die Grenzen aufgezeigt werden und die eigene Unzulänglichkeit bewusst wird, ist es entlastend, wenn die Gewissheit reift: Gott ist gnädig mit mir, dann kann ich auch selbst mit mir gnädig sein!

Wenn wir an Palmsonntag daran denken, dass Jesus nach Jerusalem einzog wie ein König, dann werden wir daran erinnert: Wohin ihn sein Weg auch führt, in seiner Nähe werden Schwerter zu Pflugscharen und Feinde zu Freunden. In seiner Nähe werden Tote lebendig und Aussätzige rein. In Jesus Christus kommt Gottes zärtliche Hingabe für uns und unser Leben zu uns. Wenn wir daran denken, kann uns das immer wieder Kraft geben und Hoffnung schenken. Und es kann uns motivieren, solche Zeichen zu setzen, wie es die Frau mit dem Salböl tat.

Amen

Bleiben Sie behütet und gesund!
Ihre Pastorin Heidrun Gunkel