Gedanken zum 2. Sonntag nach Trinitatis

Nachricht 21. Juni 2020

Der Wochenspruch und gleichzeitig der zentrale Vers im Predigttext dieses Sonntags lautet, ausgesprochen von Jesus selbst „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Bei diesen Worten. „Kommt her zu mir!“ denke ich an eine freundliche Stimme, einen aufmunternden Blick, ein tröstendes Nicken und vor allem an weit ausgebreitete Arme. Und wenn man ein solches Bild vor Augen hat, dann ist es schwer zu begreifen, warum diese Einladung nicht einfach ohne jedes Zögern angenommen wird. Wie kann man überhaupt auf die Idee kommen, sie ablehnen? Lassen Sie uns diese Einladung also einmal ein bisschen genauer anschauen.

In seiner Einladung spricht Jesus die Mühseligen und Beladenen an. Wen müssen wir uns darunter vorstellen? Den alten Mann, der seit Jahren seine demenzkranke Frau pflegt? Die kinderreiche Familie mit begrenzten finanziellen Mitteln, die Tag für Tag kämpfen muss, um über die Runden zu kommen? Der Junge, der Schreckliches erlebt und seitdem unter Alpträumen leidet? Mühselig und beladen, das kann vieles bedeuten. Und vielfältig sind die Gründe. Mühselig und beladen, zumindest phasenweise fühlt sich wohl jeder Mensch so. Und wenn wir uns so fühlen, wollen wir uns am liebsten verstecken und nicht mehr an die Probleme denken müssen. Doch Jesus ruft uns: Kommt her zu mir! Jesus weiß, was es heißt, mühselig und beladen zu sein. Er schaut nicht weg, wenn das Leben schwierig wird. Und so lautet die entscheidende Frage am heutigen Sonntag: Folgen wir der Einladung Jesu, alles, was auf uns lastet, zu ihm zu bringen? Zugegeben: Leicht ist das nicht. So manchem könnte es bequemer erscheinen, sich einzurichten in Mühsal und Last und im Selbstmitleid zu versinken.

Jesu Einladung zielt auf ein anderes Ergebnis: „Ich will euch erquicken.“ Erquicken, ein altes, kaum noch gebräuchliches Wort. Am ehesten kann man es wohl anhand des Wortes „quicklebendig“ erklären. Es hat etwas mit erfrischen und stärken zu tun. Es hat damit zu tun, zur Ruhe zu kommen und sich geborgen zu fühlen. Es hat etwas mit Trost und Hilfe zu tun. Mit neuer Energie und mit einem positiven Blick auf die Zukunft

Solch ein Zustand ist meistens mit ganz besonderen Augenblicken verbunden. Aber es gibt diese Erlebnisse auch im ganz normalen Alltag. Sie sind wie Oasen. Ein kleines bisschen Himmel mitten in der Erdenschwere.

So soll es sich anfühlen, wenn wir Jesu Einladung annehmen und dadurch bei Gott zu Gast sind. Wenn wir spüren können, in Gottes Nähe willkommen zu sein. Sein Recht, eine solche Zusage zu machen, begründet Jesus wie folgt: „Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.“ Jesus spricht von dem besonderen Verhältnis zwischen ihm als Sohn Gottes und seinem Vater im Himmel. Und so hat sein Angebot der Erquickung zu tun mit Gottes Einladung in sein Reich. Beides dürfen wir in unserem Leben getrost immer wieder annehmen und erleben. Die Last ablegen und stattdessen ein Fest feiern. Ja, dazu sind wir eingeladen.

Dass das Ganze schwer zu verstehen ist, wusste auch Jesus. Deshalb lauten die einleitenden Worte unseres Predigttextes wie folgt: „Jesus sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.“ Sie sind und bleiben geheimnisvoll, diese Einladungen zu Jesus und in Gottes Reich. Unmündige, einfache Leute können damit manchmal leichter umgehen als Kluge und Weise. Man braucht dabei vor allem Vertrauen und Hoffnung, sodass uns alles Wissen der Welt nur bedingt weiterhilft. Wenn Jesus uns die Last von den Schultern nehmen soll, müssen wir über unseren Schatten springen. Wir müssen uns ihm anvertrauen und offenlegen, was uns beschäftigt, was uns Sorgen macht und auf der Seele liegt.

Jesus weiß ganz genau, wie schwer das ist. Deshalb schließt er seine Ausführungen mit folgenden Worten ab: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Ein Joch meint hier im übertragenen Sinne etwas, dem man unterworfen und wodurch die eigene Freiheit stark eingeschränkt ist. Jesus nutzt dieses Bild, um uns zu ermuntern, unser Joch kraftvoll auf unsere Schultern zu nehmen. Manchem Dunklen müssen wir in unserem Leben ins Gesicht schauen, um damit unseren Frieden zu machen. Dazu gehört dann auch, sich zu wehren, sich nicht hängen zu lassen, gar alles und jeden mies zu machen. Das wiederum erfordert eine Haltung von Dankbarkeit und Vertrauen, aus der Sanftmut und Demut erwächst. Sanftmut und Demut helfen im ehrlichen Umgang mit sich selbst und anderen. So kann es uns leichter fallen, Gottes Einladung vorbehaltlos anzunehmen. Sanftmütig und demütig müssen wir sein, damit wir bei Gott zu Gast sein können. Es liegt an uns. Es liegt an uns, den weit geöffneten Armen Jesu zu vertrauen: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.“ Es liegt an uns, die Einladung anzunehmen: „Komm! Herzliche Einladung! Komm her! Hier ist alles, was du brauchst. Bist du bereit?“

Amen

Bleiben Sie behütet und gesund!
Ihre Pastorin Heidrun Gunkel

Pastorin

Dr. Heidrun Gunkel
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31224 Peine
Tel.: 05171 – 80244451