Karfreitag

Nachricht 10. April 2020
Foto: privat

Predigtgedanken: Gehalten und getragen von unsterblicher Liebe
von Superintendent Dr. Volker Menke

Liebe Schwestern und Brüder, Martin Luther unterschied einmal zwischen dem verborgenen und dem offenbaren Gott. Der verborgene Gott ist der, dessen Gedanken und Pläne wir nicht kennen. Gottes Wirken kann uns unverständlich und rätselhaft sein. Gerade auch in schweren und bitteren Zeiten, in denen die Frage gestellt wird „Warum?“ Eine solche Zeit machen wir gerade durch. „Corona“ bereitet Sorgen und löst Ängste aus; es nimmt Fühlen und Denken in Beschlag; das Virus kann lebensbedrohlich und sogar tödlich sein; es scheint die ganze Welt zu beherrschen.

Doch auch „Corona“ fällt nicht aus der Geschichte Gottes mit seiner Welt und uns Menschen heraus. Auch wenn wir Gott und sein Handeln nicht verstehen, er uns verborgen ist, so bleibt Gott doch immer noch größer als eine Not sein kann. In vielen Texten der Bibel ist von Bedrängnissen und Nöten die Rede, die Menschen zu schaffen machen und ihnen zusetzen. Und doch gibt es in all diesen Texten einen roten Faden, der sich letztlich durch die ganze Bibel zieht. Dieser rote Faden ist die Botschaft, dass keine Not endlos ist, sondern sich immer wieder ein Weg auftut, der in die Freiheit führt, der Menschen wieder lachen lässt, der es mit sich bringt, dass das Leben heil und gut wird.

Das biblische Wort, der Tagesspruch für den Karfreitag ist ein Vers aus dem Johannesevangelium und lautet: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh. 3,16). Wenn Gott uns unverständlich und rätselhaft erscheint, sollen wir auf Christus schauen. In ihm begegnet uns der offenbare Gott, wir sehen gewissermaßen sein Herz, und das schlägt für uns, unaufhörlich und ewig.

Äußerlich betrachtet scheint Karfreitag, Jesu Kreuzigung, ja eine Geschichte des Scheiterns zu sein, ein Triumph von Leiden und Tod. Der Glaube, durch den uns Gott ergriffen hat und bewegt, lässt uns aber tiefer und anderes sehen. Nämlich eine Liebe, der kein Preis zu hoch ist im Einsatz für uns. Gott unterstreicht, dass er uns ganz und gar zur Seite steht. In Jesus wählt Gott selbst die tiefste Tiefe; darum kann niemand tiefer fallen als Gott selbst gegangen ist.

Uns alle fängt Gott auf, hält uns und richtet uns auf und führt uns schlussendlich sozusagen in die höchste Höhe, in den Raum des ewigen Lebens hinein. Die Liebe ist nicht totzukriegen. Darum ist auch jedes Wort und jede Tat der Liebe nicht vergeblich, sondern hat Ewigkeitswert. Mit seinen Worten und Taten hat Jesus den Himmel schon auf Erden anbrechen lassen, und auch wir zeigen hier und heute durch Worte und Taten der Liebe, was wir hoffen und erwarten: den Himmel, die Heil- und Gutwerdung des Lebens in Ewigkeit.

Auf vielfältige Weise können wir auch in Zeiten von Corona Trost, Halt, Hoffnung, Hilfe geben. Wir setzen damit ein Zeichen: Nicht das Virus beherrscht die Welt, sondern es regiert Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, und damit die Macht der Liebe. In einem alten Lied heißt es: „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen.“ Das könnte der Eindruck sein mit Blick auf eine zerbrechliche, vergängliche Welt und in Bezug auf das gefährdete Leben von Menschen. Der Blick auf Christus und seine ganze Geschichte, mit der Gott unser Herz erobert hat, so dass wir Glaubende, Gott Vertrauende wurden, lässt uns aber etwas Anderes sagen und bekennen: „Selbst mitten im Tod sind wir vom Leben umfangen“, vom unsterblichen Leben Gottes, an dem er uns Anteil gibt. Warum? Weil er uns unendlich liebt!

Amen.

Gebet

Guter Gott, wir danken dir dafür, dass du dich uns bekannt gemacht hast und wir von dir bewegt sind. Stärke unser Vertrauen, dass nichts und niemand uns aus deiner Hand herauszureißen vermag.

Wir bitten dich um ein Ende der Bedrängung und Gefährdung durch das Corona-Virus. Gib uns gute Gedanken und Ideen, wie wir in diesen Zeiten Trost, Hoffnung und Hilfe vermitteln können. Lass uns Augen haben auch für das Schöne, das uns Tag für Tag ermöglicht ist. Schenke uns Seelenruhe.

Wir danken dir für Deine Hingabe in Christus, dafür, dass du unser Leben teilst und Wege in Weite und Freiheit bahnst. Deine Liebe, die du in Christus unter- streichst, hält und trägt uns und die ganze Welt; sie umgreift Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit. Wir sagen dir von Herzen Dank.

Amen.